Mann durfte wegen seines Scruff-Accounts nicht in die USA einreisen

Grenzbeamter glaubte, der 30-Jährige sei wegen seines Sex-Lebens ein Escort und ließ ihn nicht einreisen

Scruff
Scruff/GGG.at

Wegen seinen Profilen in den Dating-Apps „Scruff“ und „Bareback Real Time“ (BBRT) durfte ein 30-jähriger Kanadier nicht in die Vereinigten Staaten einreisen. Das berichtet das kanadische Newsportal „Daily Xtra“.

„Looking for Loads“ war für den Grenzbeamten ein Code für Sex gegen Geld

Der zuständige US-Grenzbeamte glaubte offenbar, bei dem Mann handle es sich um einen Escort, und die Formulierung „looking for loads“ in den Dating-Profilen sei ein Code für die Bezahlung sexueller Dienste. Die Behandlung an der Grenze sei „entwürdigend“ gewesen, sagte der Mann, der in dem Artikel André genannt wird und Innenausstatter in Vancouver ist.

Der 30-Jährige wurde schon vor seinem Flug für eine genauere Kontrolle der US-Grenzkontrolle ausgewählt. Dabei nahm der Beamte das Handy sowie den Computer des Kanadiers und fragte ihn nach seinen Passwörtern. „Ich wusste nicht, was ich tun sollte“, erinnert sich André. Er hatte Angst. „Also habe ich ihm mein Passwort gegeben und dann saß ich da, für eine Stunde oder zwei. Ich habe meinen Flug verpasst.“

„Ich war mir sicher, dass er mich nicht vorhatte, mich reinzulassen“

Als der Grenzbeamte zurückkam, wurde er ungemütlich, erinnert sich André. Er fragte ihn über eine E-Mail aus, die zu einer Kleinanzeige führte, über die André Sex suchte. „Er hat mich gefragt: ‚Ist das ihr Account auf Scruff? Sind Sie das auf BBRT?‘, und ich habe gesagt, ‚Ja, das bin ich.‘“

André glaubt, dass der Grenzbeamte nach einem Grund gesucht hat, den schwulen Kanadier nicht in die USA einreisen zu lassen. „Nur durch sein Auftreten war ich mir sicher, dass er nicht vorhatte, mich durchzulassen. Sie haben mir immer wieder Fragen gestellt und haben nach etwas gesucht.“ Die US-Grenzebeamten haben große Freiheiten, wenn es darum geht, wer in die USA einreisen darf und wer nicht.

Der Grenzbeamte sagte ihm, das Einreiseverbot betreffe nur den aktuellen Fall und gelte nicht lebenslang, wenn er freiwillig auf eine Einreise verzichte. Also verzichtete André auf seinen Trip in die USA. Allerdings konnte er dadurch seinen Freund in New Orleans nicht besuchen, durch den umsonst gebuchten Flug und nicht stornierbare Hotels verlor er etwa 1.200 Dollar.

Auch beim nächsten Versuch, in die USA einzureisen, wurde André abgewiesen

Und der Alptraum ging für den 30-jährigen Kanadier weiter. Als André ein Monat später wieder in die Vereinigten Staaten einreisen wollte, wurde er erneut für eine genauere Befragung ausgewählt. Er hatte sich allerdings bereits darauf eingestellt und sein Telefon von Sex-Apps, dem Browser-Verlauf oder eindeutigen Messages gesäubert.

Doch auch das war keine gute Idee: Zuerst fanden die US-Grenzbeamten die Nacktfotos des 30-Jährigen auf dem Handy. „Es war wirklich erniedrigend und peinlich“, erinnert er sich. Dann warnten sie ihn: „Sie haben gesagt: ‚Das nächste Mal, kommen sie nicht mit einem gesäuberten Telefon‘, und das war’s. Ich wurde nicht durchgelassen. Der Beamte sagte, sie vermuten, ich sei ein Escort.“

Jon Davidson, Leiter der Rechtsabteilung von „Lambda Legal“, einer LGBT-Rechtsgruppe in den USA, empfiehlt André, sich offiziell zu beschweren. „Die Beamten brauchen ein Sensibilisierungs-Training, damit sie nicht zu dem falschen Schluss kommen, dass Menschen, die einfach ein normales Sex-Leben führen, keine Prostituierten sind.“