LGBT-Aktivisten in der Ostukraine vorübergehend verschwunden

Transgender-Person Grey Violet plante mit Begleitung eine LGBT-Performance in Donezk

Grey Violet
Facebook

Nach zwei Wochen der Ungewissheit gibt es Entwarnung: Ein LGBT-Aktivist und dessen Begleitung, die in der von pro-russischen Seperatisten besetzten Ostukraine vermisst wurden, sind wohlauf. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW).

Die Transgender-Person Grey Violet, bürgerlich Seroe Fioletovoe, und Victoria Miroschnitschenko wollten in Donezk, der Hauptstadt der selbsternannten „Volksrepublik Donezk“ (DNR), eine Performance zur Unterstützung der LGBT-Community aufführen und diese auch filmen. Doch dann brach plötzlich der Kontakt ab.

Grey Violet wollte die LGBT-Community unterstützen

Den letzten Kontakt mit Grey Violet hatten Freunde gegen 11.00 Uhr vormittags am 31. Jänner. Für fast zwei Wochen gab es dann kein Lebenszeichen von den beiden Aktivisten. Sie wurden, wie nun bekannt geworden ist, sofort bei ihrer Ankunft vom Geheimdienst der DNR festgenommen und zunächst in Einzelhaft genommen.

Der Geheimdienst hat sie dann auch immer wieder verhört. Dabei haben die Agenten und danach auch Psychologen Grey Violet auch sehr entwürdigende Fragen über ihre Sexualität und ihr persönliches Leben gestellt, berichtet Tanya Cooper, die bei HRW für die Ukraine zuständig ist. Sie hat mittlerweile mit den Aktivisten telefoniert.

Seperatisten nahmen Aktivisten fest, misshandelten sie und stellten entwürdigende Fragen

Während diesen Verhören wurde Grey Violet mehrmals auf den Kopf und in die Rippen geschlagen. Die Seperatisten vermuteten offenbar, dass Grey Violet für den ukrainischen Geheimdienst arbeitet. Kontakt zur Außenwelt wurde den beiden Aktivisten verboten. Am 9. Februar musste Grey Violet auf Druck ihrer Peiniger ein Posting auf Twitter schreiben, wonach es ihnen gut gehe und sie „in entlegenen Regionen der DNR“ arbeiteten, wo es keine stabile Internet-Verbindung gebe.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Vorsitzende des Volksrats der DNR in russischen Medien aber bestritten, dass Grey Violet und Miroschnitschenko in der Hand des Militärs oder der Polizei in der Ostukraine seien. Diese Äußerungen entsprechen offenbar der Unwahrheit, wie sich nun herausstellt.

Plötzlich konnten die beiden Aktivisten gehen

Nachdem der internationale Druck immer größer wurde, wurden Grey Violet und Miroschnitschenko schließlich ohne Vorankündigung und Erklärung freigelassen und konnten die von pro-russischen Seperatisten besetzte Ostukraine verlassen.

Der Fall lässt aber weitere Fragen offen. „Die Behörden der DNR und ihre Unterstützer sollten nachforschen, was passiert ist und jene, die in ein solches erzwungenes Verschwinden verwickelt sind, zur Verantwortung ziehen“, so Cooper.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir nicht den aktuellen Stand dieses Falles wiedergegeben. Dafür entschuldigen wir uns. Danke an die Kollegen von queer.de für den Hinweis.