Italien: Gericht erkennt Männer-Paar als gemeinsame Väter an

Zwillinge kamen in Kanada durch künstliche Befruchtung zur Welt

Regenbogenfamilie
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In Italien hat ein Gericht zum ersten Mal ein Männerpaar als Väter eines Kindes anerkannt. In einem richtungsweisenden Urteil hat das Berufungsgericht im norditalienischen Trient am 23. Februar beschlossen, dass beide Männer in der Geburtsurkunde als Kindsväter eingetragen werden können.

Die Identität der Väter wurde vom Gericht nicht bekanntgegeben. Die Kinder, ein Zwillingspaar, kamen vor sechs Jahren durch künstliche Befruchtung zur Welt und wurden von einer Leihmutter in Kanada ausgetragen. Dort hatte das Paar bereits die volle Elternschaft, dieses Recht wollten sie nun auch in Italien.

Elternschaft hat nicht nur mit Genen zu tun, sondern mit Verantwortung

Die Richter kamen zu dem Schluss, dass Elternschaft nicht nur durch biologische Verwandtschaft definiert werden könne. „Im Gegenteil, man muss beachten, wie wichtig die Verantwortung der Eltern ist, die sich in der bewussten Entscheidung manifestiert, ein Kind aufzuziehen und sich darum zu kümmern“, so die Richter.

Die Entscheidung der Richter kam für Beobachter unerwartet. Alexander Schuster, der Anwalt des schwulen Paares, ist begeistert: „Es geht hier um die Anerkennung der vollen Elternschaft, nicht der Adoption“, erklärt er gegenüber Journalisten. Zum ersten Mal sei anerkannt worden, dass auch der nicht-leibliche Vater den Status eines Elternteil habe.

Entscheidung des Gerichts ist „historisch“, Gesetzgeber hinkt nach

Italienische LGBT-Organisationen bezeichnen die Entscheidung als „historisch“: „In Ermangelung von eindeutigen Gesetzen hoffen wir nun, dass alle Gerichte Italiens den gleichen Weg gehen, der einzige, der uns im Augenblick unsere Söhne und Töchter garantieren kann“, so Marilena Grassadonia von der italienischen Regenbogenfamilien-Organisation „Famiglie Arcobaleno“.

Denn die Urteile der Gerichte sind derzeit nicht eindeutig: Im Jänner hat ein Gericht in Mailand zwei schwule Männer jeweils einzeln als Vater von je einem ihrer Kinder anerkannt. Eine Leihmutter hatte in den USA die beiden Kinder zur Welt gebracht, bei denen eine Eizelle mit dem Sperma eines Mannes, eine zweite mit dem Sperma des anderen befruchtet wurde. Durch das Urteil gelten die Kinder aber nicht als Brüder, der Partner des jeweiligen Vaters hat für das andere Kind keine Rechte.