Teenager erpressten Männer nach Grindr-Date

Eines der Opfer nahm sich sogar das Leben

Grindr
Symbolbild - Montage: GGG.at

In der australischen Hauptstadt Canberra müssen sich vier Teenager vor Gericht verantworten, weil sie mehrere Männer nach einem Grindr-Date erpresst hatten. Das berichtet die „Canberra Times“. Eines ihrer Opfer hat sich sogar das Leben genommen.

Aus einem harmlosen Flirt wurde eine beinharte Erpressung

Die Burschen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren haben zunächst über Grindr und Facebook mit ihren ahnungslosen Opfern Kontakt aufgenommen. Nach einem kurzen Chat kam es zu einem Treffen in der Wohnung des Opfers oder in der Öffentlichkeit. Dabei haben sie ihnen gesagt, dass sie minderjährig seien und erpressten sie.

Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei haben sich etwa zehn Jugendliche an den Erpressungen beteiligt. Fünf von ihnen sind nach der Einschätzung der Behörden die Haupttäter. Es gibt es mindestens 15 Opfer der Teenie-Gang. Einer von ihnen beging im Jänner aufgrund der Erpressung Selbstmord.

Die Teenager legten Akten über ihre Opfer an, um sie erpressen zu können

Die Teenager legten regelrechte Akten über ihre Opfer an, mit ihren Namen, Adressen, Fotos, Screenshots der Chats und einer Auflistung der Verbrechen, die sie verübt haben könnten. Die Burschen drohten ihren Opfern, dass sie ihre Arbeitgeber kontaktierten, sie der Polizei meldeten und Plakate mit ihren Gesichtern in der Öffentlichkeit aufhängen würden, wenn sie ihnen nicht ihre Handys und bis zu 1000 australischen Dollar geben würden.

Und als ob das nicht schräg genug wäre, fand die australische Polizei noch verstörende Fotos und Videos auf den Handys der Jugendlichen. Ein Video zeigt beispielsweise Bilder von Bargeld, einem Opfer, dessen Bankomat-Karte und dem Wort „Homo“, begleitet von einem Heldenmarsch. Auf einem anderen Bild hat einer der Jugendlichen sein Gesicht in ein Jesus-Bild hineinkopiert, der das Bild eines Erpressungsopfers in der Hand hält. „Wir sind die Pädo-Jäger“, soll einer der Teenager einem der Männer gesagt haben.

Polizei ermittelte nach Hinweisen von einer lokalen Aids-Hilfe

Die Polizei hat mit ihren Ermittlungen gegen die vier Teenager im Jänner begonnen, nachdem das AIDS Action Council erfahren hatte, dass in Canberra schwule Männer von einer Gruppe junger Burschen in den Sozialen Netzwerken ins Visier genommen werden.

Die Staatsanwaltschaft meint, die Burschen hätten „aus finanziellen Gründen und einem perversen Sinn für Moral“ gehandelt. Woher sie die Idee dafür hatten, wurde den Beamten auch bald klar: Einer der Väter, der betrunken war, als er mit der Polizei sprach, sagte, die Teenager hätten „nichts falsches getan“ und „eigentlich den Job der Polizei erledigt“.

Zwei Teenager, ein 15-Jähriger und ein 16-Jähriger, wurden auf Bewährung aus der Haft entlassen und stehen unter Hausarrest. Ein 16-Jähriger, der laut Polizei der Rädelsführer der Bande ist, und ein 18-Jähriger bleiben bis zu ihrem Prozess in Untersuchungshaft.