Spartacus Gay Travel Index: Österreich auf Spitzenplatz

Deutschland rutscht zum ersten Mal aus den Top 20

Paar am Strand
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Österreich ist das LGBT-freundlichste Land im deutschen Sprachraum. Das geht aus dem aktuellen „Spartacus Gay Travel Index“ hervor, der heute veröffentlicht wurde. Der Bruno Gmünder Verlag ermittelt seit 2013, wie gut bestimmte Länder für LGBT-Reisende geeignet sind. Deutschland fällt dabei zum ersten Mal aus den Top 20, an der Spitze gibt es keine Veränderungen.

Schweden und das Vereinigte Königreich führen die Liste an

Es führen auch dieses Jahr wieder Schweden und das Vereinigte Königreich mit jeweils neun Punkten. Kanada verpasst diesen Platz, weil es für HIV-Positive noch immer Einreisebeschränkungen gibt, die zu einem Punkteabzug führen.

Insgesamt sind neun Länder mit acht Punkten ex aequo auf dem dritten Platz, neben Kanada auch Belgien, die Niederlande, Frankreich, Dänemark, Island, Irland, Finnland und die französische Übersee-Insel Réunion. Das Territorium im indischen Ozean profitiert vor allem davon, dass sie politisch Teil des Übersee-Départements ist, und damit Teil Frankreichs und der Europäischen Union.

Österreich auf dem gleichen Rang wie Spanien, Deutschland fällt durch Stillstand zurück

Mit sieben Punkten auf Platz zwölf ist Österreich auf dem gleichen Rang wie Norwegen, Spanien, Luxemburg, Uruguay, Andorra, Portugal, Neuseeland, Grönland und Gibraltar. Spanien und Portugal eine bessere Platzierung durch den Einfluss der Kirche verspielt. Österreich und Andorra sind übrigens die einzigen Länder mit dieser Platzierung, bei denen die Ehe noch nicht für Lesben und Schwule geöffnet wurde. Mit der Öffnung der Ehe oder einer Erweiterung des Anti-Diskriminierungsschutzes würde auch die Alpenrepublik ins Spitzenfeld aufsteigen.

Den 22. Platz teilen sich Deutschland und die Schweiz mit Französisch Polynesien, Neukaledonien, Malta, Brasilien und Slowenien. Sie haben beim „Spartacus Gay Travel Index“ nur sechs Punkte bekommen. Um ins Spitzenfeld aufzuschließen, müssten Deutschland und die Schweiz beispielsweise Ehe und Adoption für schwule und lesbische Paare öffnen. Das Fürstentum Liechtenstein liegt mit zwei Punkten nur auf Rang 42.

Hier zeigt der Index, dass Stillstand irgendwann auch Rückschritt bedeutet: Denn die rechtliche Lage für sexuelle Minderheiten in Deutschland hat sich nicht verschlechtert, sie hat sich in anderen Ländern aber schneller verbessert. Die Macher des „Spartacus Gay Travel Index“ warnen aber: Sollten Rechtspopulisten und ihre Parolen in breiten Schichten Fuß fassen, drohen Deutschland und anderen Ländern künftig Abwertungen.

Italien macht 15 Plätze gut, Polen ist EU-Schlusslicht

Das Positiv-Beispiel im Vergleich zum Vorjahr ist übrigens Italien: Durch die Einführung eingetragener Partnerschaften hat unser südlicher Nachbar im Reise-Index kräftig aufgeholt. Mit einem Plus von 15 Plätzen ist das Land des Dolce Vita jetzt auf dem 49. Rang gelandet.

Doch auch in Europa geht es noch schlechter: Russland landet mit -9 Punkten auf Platz 163, die Türkei mit -6 Punkten auf Rang 139. Das am schlechtesten platzierte EU-Land ist Polen mit -1 Punkt auf Platz 80. Zwar bekommt das osteuropäische Land jeweils einen Punkt für die Antidiskriminierungs-Gesetze und das gleiche Schutzalter für Homo- und Heterosexuelle – der Einfluss der römisch-katholischen Kirche, homofeindliche Gesetze und die Einstellung der Bevölkerung zu sexuellen Minderheiten sorgen aber für einen dreifachen Punkteabzug.

Keine Veränderung gibt es auch am Ende der Tabelle: Neben Russland haben auch der Iran, Saudi-Arabien und Somalia die letzten Plätze des „Spartacus Gay Travel Index“ fest im Griff.