Schwuler Rugby-Profi Keegan Hirst: So schwer war sein Coming Out

Der englische Sportler über Selbstmordgedanken, Durchhaltevermögen und seinen Mut

Keegan Hirst
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Es war 2015, als sich der englische Rugby-Spieler Keegan Hirst als schwul geoutet hat – nach der Trennung von seiner Frau und den beiden Kindern. Die Entscheidung, zu seiner Homosexualität zu stehen und diese auch öffentlich zu machen, war nicht einfach. Wie schwer sie war, hat er nun der britischen Zeitung „The Guardian“ erzählt.

„Einige Male habe ich darüber nachgedacht, mich umzubringen“

„Einige Male habe ich darüber nachgedacht, mich umzubringen“, erinnert sich Keegan Hirst. „Ich kam an einen Punkt, an dem ich dachte, ‚Wie mache ich es? Wo mache ich es? Wann mach ich es?‘ (…) Ich glaube, was mich davon abgehalten hat, war der Gedanke, wer mich finden könnte und warum ich es getan habe. Niemand wusste, dass ich schwul bin und so würden sie nicht wissen, warum ich mich umgebracht habe. Sie hätten gedacht: ‚Habe ich etwas falsch gemacht?‘, und ich wollte meine Schuld nicht an sie weitergeben – nicht einmal in meiner dunkelsten Stunde.“

Nachdem er lange mit der Entscheidung gerungen hatte, entschloss er sich, reinen Tisch zu machen. Zunächst bei seiner Frau, von der er zu diesem Zeitpunkt schon getrennt lebte. „Ich habe verstanden, dass ich nicht fair zu ihr war. Ich schuldete es ihr, ehrlich zu sein. Ich war Kapitän in Bately und hab‘ mir gedacht: ‚Verdammt, was ist das Schlimmste, was passieren kann? Ich war schon an dunkleren Orten.‘“, erinnert sich Keegan Hirst.

Die Teamkollegen waren schockiert. „Dann haben wir darüber geredet und ich habe die Erleichterung gespürt“

Als er es ihr sagte, war sie zunächst schockiert. Und auch Hirst spürte nicht die Erleichterung, die er sich von dem Geständnis erhofft hatte. Schließlich erzählte er es auch zwei Teamkollegen nach ein paar Bier: „Einer von ihnen fragte: ‚Was ist mit diesen Gerüchten, dass du schwul bist? Stimmen die?‘ Offensichtlich haben sie erwartet, dass ich nein sage. Ich erinnere mich, dass ich mir gedacht habe: ‚Jetzt lässt du es raus‘. Ich sagte: ‚Ja, die sind wahr‘. Sie waren schockiert. Und dann haben wir darüber geredet und ich habe die Erleichterung gespürt. Sie haben cool reagiert und all meine Ängste zerschlagen.“

Und auch, wenn beim nächsten Training alle Spieler wussten, dass ihr Kapitän schwul ist und einige mit Keegan Hirst darüber geredet haben. „Keiner hat seine Einstellung zu mir geändert“, sagt er stolz. „Dann habe ich mit meinem Trainer geredet. Ich werde nie vergessen, was er gesagt hat. Das kam von einem 60 Jahre alten Mann, der mit jeder Faser seies Körpers Rugby lebt. John sagte: „Du bist ein Rugby-Spieler und du bist mein Kapitän. Was immer du sonst noch bist, ist okay für mich.‘ Dann wusste ich, dass alles in Ordnung ist.“

Als Held will der offen schwule Rugby-Profi nicht gesehen werden. Diesen Titel verdienen seiner Meinung nach andere: „Jetzt, wo ich mich geoutet habe, sagen die Leute, ich bin mutig. Aber ich fühle mich nicht mutig. Ich bewundere die Burschen, die mutig genug sind, sich während ihrer Schulzeit zu outen. Jene Kids, die in der Schule verprügelt werden, die ehe weiblicheren Typen. Ich habe immer geglaubt, das sind die Mutigen, die in der Schule aufgemischt werden, weil sie ehrlich darüber sind, wer sie sind. Ich habe es so viele Jahre versteckt. Sie nicht. Also sind das für mich die stillen Helden.“