LGBT-Inhalte verborgen: YouTube in der Kritik

Familien-Filter war offenbar zu streng eingestellt - viele LGBT-Inhalte wurden blockiert

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Die zu Google gehörende Videoplattform YouTube steht in der Kritik: Der „Restricted Mode“, der eigentlich jugendgefährdende Inhalte ausblenden sollte, zensiert auch viele LGBT-Themen. Mittlerweile hat sich die Plattform dafür entschuldigt und verspricht Besserung.

Dieser Modus ist standardmäßig nicht aktiviert. Nutzer und Netzwerk-Administratoren in Firmen oder an Schulen können ihn aber aktivieren. Er soll Inhalte, die für Kinder oder den Arbeitsplatz nicht geeignet sind, nicht mehr auf der ohnehin schon eher prüden Plattform anzeigen.

„Restricted Mode“ dort, wo LGBT-Jugendliche Mut zugesprochen bekommen sollen

Allerdings ist einigen Usern aufgefallen, dass besonders die Inhalte homosexueller Video-Blogger hinter diesem Filter versteckt waren. So erklärte etwa Tyler Oakley, der acht Millionen Abonnenten hat, dass sein Video „Acht schwarze LGBTQ+-Wegbereiter, die mich begeistern“ gefiltert wird – obwohl es keinerlei jugendgefährdende Inhalte in dem Film gebe.

Bei YouTuberin Fiona Morris, die als neonfiona bekannt ist, werden 67 ihrer  136 Videos im „Restricted Mode“ nicht angezeigt. Darunter auch Videos wie „Der Freundinnen-Test“, „Was sagen Leute, wenn du dich als bisexuell outest“ oder „Möchten LGBT+-Australier die Ehe-Öffnung“ oder ihre eigene Coming-Out-Story.

Die transgender Bloggerin Gigi Gorgeous, die 2,5 Millionen Abonnenten bei YouTube hat, reagierte auf den Fall mit einem eigenen Video, in dem sie die neue Einstellung kritisiert. „YouTube war immer ein Platz, an dem du jemanden finden konntest, der genauso ist wie du. Und jetzt musst du im Prinzip nur einen Knopf drücken und die gesamte LGBT-Gemeinde ist einfach weg! Das ist sehr traurig. Ich mache keine Pornos, ich mache nichts, was falsch ist. Ich mache einfach nichts, was geblockt werden sollte“, ärgert sie sich.

Mit dem Filter könnten also beispielsweise homophobe Eltern verhindern, dass ihre heranwachsenden Kinder in Kontakt mit dem Thema sexuelle Vielfalt kämen, kritisierten viele User. Auch Videos mit Schminktipps für Trans-Frauen oder Musikvideos von Taylor Swift oder Miley Cyrus wurden durch den „Restricted Mode“ bei YouTube nicht mehr angezeigt.

YouTube ist peinlich berührt und entschuldigt sich

Die Videoplattform hat sich mittlerweile für die unbeabsichtigten Sperren entschuldigt. „Wir sind so stolz, LGBTQ+-Stimmen auf unserer Plattform repräsentieren zu dürfen“, heißt es in einer über Twitter verbreiteten Stellungnahme. Wer den „Restricted Mode“ aktiviert hätte, sollte diese Videos sehen, aber keine „Videos, die sensiblere Themen diskutieren“. Man entschuldige sich für die entstandene Verwirrung und bedanke sich dafür, dass YouTube „so eine inklusive, diverse und lebendige Community“ sei.

In einem weiteren Tweet erklärte YouTube, dass einige Videos, die im „Restricted Mode“ gelandet sind „inkorrekt ausgezeichnet“ wurden, was „nicht richtig“ gewesen sei. Man kümmere sich darum, heißt es weiter.

Doch so ganz wird dieser Stellungnahme kein Glauben geschenkt: „Schnelle Übersetzung: Wir möchten Eure LGBTQ+-Videos, damit wir Geld damit machen können, aber schränken ihre Verbreitung für die homophobe Minderheit auf der Plattform ein“, kommentierte eine Userin die YouTube-Stellungnahme auf Twitter.