Berlin: Fast jedes Monat ein homophober Angriff im Nollendorfkiez

Auch das Zentrum der Community ist kein Platz, um sicher vor Hassverbrechen zu sein

Berlin: Nollendorfplatz
Standardizer/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

In Berlin gibt es im Schöneberger Regenbogenkiez, dem Zentrum der Community, fast jeden Monat eine homophobe Straftat. Das geht aus einer parlamentarischen Anfrage hervor, die der SPD-Abgeordnete Tom Schreiber gestellt hat. Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein.

Acht Hassverbrechen wegen der sexuellen Orientierung in einem Jahr

So hat die Polizei zwischen Mai 2016 und März 2017 insgesamt zwölf Fälle von Hassverbrechen rund um den Nollendorfplatz erfasst. Davon wurden acht Personen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu Opfern von Straftaten.

Noch bedenklicher als die Zahl ist der verhältnismäßig hohe Anstieg homophober Gewalt in dem Viertel: Zwischen Juni 2015 und April 2016 hatte es nur eine einzige homophobe Straftat in dem Kiez gegeben – und das war die erste seit Jahren.

Abgeordneter fordert neue Polizeistrategie

SPD-Abgeordneter Schreiber wünscht sich deshalb eine bessere Polizeistrategie: „Es ist gut, dass die Polizei an öffentlichen Plätzen wie am Alexanderplatz auf Präsenz setzt. Die Attacken zeigen aber, dass die Beamten gerade auch im Kiez die Sicherheit herstellen müssen“, so der 38-Jährige.

Wie aus der amtlichen Polizeistatistik für Berlin hervorgeht, wurden im ersten Halbjahr 2016 insgesamt 15 Personen wegen ihrer sexuellen Orientierung zu Opfern von Gewalt. Die meisten angezeigten Delikte gab es in Berlin-Mitte mit 13, gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg mit 9 und Tempelhof-Schöneberg mit 7. Polizei und Senat gehen allerdings von einer Dunkelziffer aus, die „erheblich“ höher sei.