„Homo-Adoption wie Sklaverei“: NEOS-Vavrik wechselt zur ÖVP

Der umstrittene Parlamentarier kehrt nun "in seine politische Heimat" zurück

Christoph Vavrik
NEOS

Dankbarkeit ist keine politische Kategorie – das mussten nun auch die NEOS erfahren. Sie wollten ihren Abgeordneten Christoph Vavrik nach einem homophoben Kommentar aus dem Parlament schmeißen. Um eine geordnete Übergabe zu ermöglichen, durfte er sein Mandat bis Ende März behalten. Doch auch jetzt räumt der umstrittene Mandatar seinen Stuhl nicht: Er wechselt mit fliegenden Fahnen zur ÖVP. Mit ihm hat der schwarze Klub jetzt 51 Mandatare und damit nur noch einen weniger als die SPÖ.

NEOS erfahren per Presseaussendung, dass Vavrik „in seine politische Heimat“ zurückkehrt

Das hat der Parlamentsklub der Volkspartei in einer Presseaussendung bekanntgegeben. „Mit diesem Schritt kehre ich in meine politische Heimat, die ÖVP zurück. Ich habe den ÖVP-Klub am 26. März 2017 schriftlich gebeten, in Zukunft im ÖVP-Klub mitzuarbeiten“, so Vavrik. Und auch Klubchef Reinhold Lopatka freut sich über den Neuzugang: „Mit Christoph Vavrik nimmt der ÖVP-Klub als 51. Abgeordneten im Nationalrat einen exzellenten Diplomaten, Manager, Sozial- und Wirtschaftswissenschafter sowie politischen Kopf auf.“

Das sehen die NEOS naturgemäß anders. Sie haben nach Informationen des „Kurier“ erst heute vom Wechsel Vavriks zur Volkspartei erfahren. Generalsekretär Nikola Donig ist sichtlich verärgert: „Dass die ÖVP sich heute als ‚politische Heimat‘ für homophobe Äußerungen sieht, sagt alles über Stil und Einstellung der handelnden Personen.“ Und er fügt hinzu: „Die heutige Nachricht ist eine ungeheure menschliche und politische Enttäuschung.“

Für die NEOS heißt das, dass sie nun einen Abgeordneten weniger im Nationalrat haben, da Personen und nicht Parteien Anspruch auf einen Parlamentssitz haben. NEOS-Abgeordneter Niko Alm twitterte heute Vormittag ein Foto aus dem Parlament, in dem Vavrik noch in den Reihen der NEOS seine ÖVP-Beitrittserklärung ausfüllt.

Vavrik war in der eigenen Partei in die Kritik geraten, nachdem er im November 2016 die Möglichkeit der Adoption durch homosexuelle Paare mit Sklaverei verglichen hat. Einen Artikel auf wien.ORF.at über ein schwules Paar, das sein ehemaliges Pflegekind adoptiert hatte, kommentierte der 55-Jährige im Internet mit: „O tempora, o mores! Künftige Zivilisationen werden auf solche gesellschaftliche Abartigkeiten mit demselben Unverständnis blicken wie wir heute auf die Sklaverei…“

NEOS verschoben den Rücktritt von Vavrik immer wieder – bis er zur ÖVP ging

Als Reaktion auf dieses Posting wurde von den NEOS zunächst angekündigt. Vavrik werde bei den nächsten Wahlen nicht mehr für den Nationalrat kandidieren. Nach Protesten wurde der Rücktritt Vavriks aus dem Parlament angekündigt – und immer wieder verschoben. Bis sich der Politiker entschied, im Parlament zu bleiben und die NEOS zu verlassen, anstatt umgekehrt.

Die Aussagen aus dem November wurden auch bei der Erklärung, dass Vavrik nun dem ÖVP-Klub angehören wird, thematisiert. So betonte der Politiker, dass er sich damals in der Wortwahl „arg vergriffen“ habe und sich dafür „nochmals entschuldigen“ wolle.

Die Absolution dafür erteilt ihm sein neuer Klubchef: Der steirische ÖVP-Politiker Reinhold Lopatka meinte, dass die die Volkspartei diese Aussage „natürlich nicht teilen“ könne, „dennoch sollte man Menschen immer eine zweite Chance geben. Wir akzeptieren also seine Entschuldigung.“

ÖVP-Parlamentsklub gibt umstrittenen Mandataren immer wieder eine neue Heimat

Und mit zweiten Chancen für Mandatare mit schrägen Ansichten kennt sich Lopatka offenbar gut aus: So hat er im Juni 2015 vom Team Stronach unter anderem den Arzt Marcus Franz in den ÖVP-Klub geholt. Dieser erklärte im November 2013 in einem „profil“-Interview, Homosexualität sei eine „genetische Anomalie“ – und forderte, die Regenbogenparade möge nicht mehr in der Innenstadt stattfinden, wo sie Bürger störe.

Letzten Endes nutzte Franz auch die zweite Chance nichts – er flog wegen seiner Ansichten auch aus dem ÖVP-Klub. Seit 1. März 2016 kassiert er seine Parlaments-Bezüge als parteifreier Abgeordneter. Zur niederösterreichischen Ärztekammerwahl, die am Samstag stattfindet, tritt er auf einer FPÖ-Liste an.