Andere Parteien kritisieren Vavriks Wechsel zur ÖVP

Für Glawischnig war der "Frontalangriff auf Homosexuelle" von Vavrik das einzige Mal, dass er in Erscheinung getreten ist

Christoph Vavrik
NEOS

Scharfe Kritik für den Wechsel von Christoph Vavrik von den NEOS zur ÖVP gibt es aus den anderen politischen Lagern. Vavrik hätte seinen Stuhl bei den NEOS bis Ende März räumen müssen, nachdem er im November die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare mit Sklaverei verglichen hat. Doch stattdessen wechselt er zur ÖVP, die ihm diese Meinung als einmaligen Ausrutscher nachsieht.

Glawischnig fordert Machtwort von Mitterlehner und Kurz

Das kritisiert Eva Glawischnig, Bundessprecherin und Klubobfrau der Grünen: „Christoph Vavrik hat ein einziges Mal für politisches Aufsehen gesorgt, indem er einen Frontalangriff auf Homosexuelle geritten hat. Für jemanden mit einer solchen menschenverachtenden Grundeinstellung darf kein Platz im Parlamentsklub einer Regierungspartei sein“, so die Politikerin. Sie fordere ein Machtwort von Reinhold Mitterlehner und Sebastian Kurz, „um diesen Wechsel noch zu verhindern“. Allerdings sei es unwahrscheinlich, dass ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka solche Entscheidungen im Alleingang treffe, räumte Glawischnig ein.

Sie kritisiert Lopatka, der hinter dem Deal mit Vavrik steht, scharf. Dessen Machtspiele seien „in der österreichischen Innenpolitik seit langem ein leidlich bekanntes Thema“, so Glawischnig: „Der von ihm angeheuerte ehemalige Team Stronach-Abgeordnete Marcus Franz musste den ÖVP-Klub bald wieder verlassen, nachdem er die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer Kinderlosigkeit angegriffen hatte.“

SoHo: „Die Volkspartei ist sich für nichts zu schade“

„Die Volkspartei ist sich für nichts zu schade und heißt einen weiteren Homophoben in ihren Reihen willkommen“, kritisiert auch Peter Traschkowitsch, Bundesvorsitzender der sozialdemokratischen LGBT-Organisation SoHo, den Wechsel des Nationalratsabgeordneten Christoph Vavrik von den NEOS zur ÖVP.

Vavriks „menschenverachtenden Aussagen“ dürften nicht hofiert werden, betont Traschkowitsch: „Sie sind der Nährboden für Ausgrenzung und Hasskriminalität. Dass so etwas im Österreichischen Nationalrat in den Reihen der Volkspartei geduldet wird, ist eine Schande.“

SP-Klubobmann nennt Wechsel „moralischen Tiefpunkt“ – doch Vavrik versteht die Aufregung nicht

SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder sprach am Donnerstag in einer Aussendung von einem „moralischen Tiefpunkt in der parlamentarischen Arbeit“: „Es ist bedenklich, wenn Abgeordnete wie am Transfermarkt hin- und herwechseln“, kritisierte Schieder sowohl Lopatka als auch Vavrik. Dass Vavrik nach seinen homophoben Äußerungen sein Mandat nicht zur Verfügung stelle, sei ein „unwürdiges Schauspiel“, so Schieder weiter.

Vavrik selbst ist sich offenbar keiner Schuld bewusst. Er selbst habe nie gesagt, dass er sein NEOS-Mandat bis Ende März zurücklegen werde – sondern immer nur dass er mit Ende März Klub und Partei verlassen werde. Die Entscheidung, zur ÖVP überzulaufen, habe er dem NEOS-Klubchef und -Klubdirektor gestern „in aller Früh per E-Mail“ mitgeteilt, so Vavrik. Die Reaktion sei „sehr heftig“ gewesen, er habe Parteiobmann Matthias Strolz aber schon verziehen.