Progesteron in der Schwangerschaft macht weniger Kinder hetero

Eine lang angelegte Untersuchung kommt zu überraschenden Resultaten

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Symbolfoto - khomich/Fotolia

Mütter, die in der Schwangerschaft das Sexualhormon Progesteron verabreicht bekommen, bringen mit fast fünfmal höherer Wahrscheinlichkeit ein nicht-heterosexuelles Kind zur Welt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von June Reinisch, der emeritierten Direktorin des US-amerikanischen Kinsey Instituts.

Jeder Fünfte aus der Gruppe bezeichnete sich als nicht-heterosexuell

Für die Studie wurde die sexuelle Entwicklung von 34 Dänen, 17 Frauen und 17 Männern, untersucht. Sie wurden zwischen 1959 und 1961 in der Kopenhagener Universitätsklinik geboren. Ihre Mütter haben Progesteron erhalten, um eine Frühgeburt zu verhindern. Gleichzeitig wurde auch eine Kontrollgruppe ausgewählt, bei denen 14 medizinische und soziale Faktoren vergleichbar mit der ersten Gruppe waren.

Psychologen haben nun sämtliche Studienteilnehmer ausführlich über ihre sexuelle Orientierung befragt: Sie wollten auch ganz genau wissen, wie sehr sich die Probanden zu Frauen oder Männern hingezogen fühlen. Das Ergebnis: 21 Prozent aus der Gruppe, deren Mütter Progesteron erhalten hatten, bezeichnete sich nicht als heterosexuell. Knapp 30 Prozent der „Progesteron-Gruppe“ definierten sich als homosexuell, knapp 18 Prozent als bisexuell. Bei der Kontrollgruppe definierten sich nur sechs Prozent als homosexuell.

Die Teilnehmer der Gruppe hatten auch öfter sexuelle Erfahrungen mit dem eigenen Geschlecht

Auch fühlten sich die Teilnehmer jener Gruppe, deren Mütter das Hormon erhalten hatte, öfter zum eigenen Geschlecht angezogen. Fast ein Viertel der Teilnehmer hatte bis zu seinem 30. Geburtstag bereits in irgendeiner Form sexuelle Erfahrungen damit. Keine Unterschiede gab es hingegen in der Anziehung zum anderen Geschlecht. In Summe war die Zahl der bi- und heterosexuellen Probanden in beiden Gruppen gleich.

„Der Kontakt mit Progesteron erhöhte die nicht-heterosexuelle Selbstidentifikation, die Anziehung zum selben oder zu beiden Geschlechtern und auch Sexualkontakte mit dem gleichen Geschlecht“, ist June Reinisch überzeugt. Besonders auffallend ist, dass bei der „Progesteron-Gruppe“ vor allem die Anziehung zu Männern angestiegen ist, und die Werte über die Anziehung zu Frauen sich nicht signifikant unterschieden.

Als Medikament wird Progesteron vor allem dazu verwendet, um zu einer Schwangerschaft zu führen oder eine Fehlgeburt zu vermeiden. Gemeinsam mit Östrogen ist Progesteron für die Regulation des weiblichen Zyklus verantwortlich.