Verschleppungen in Tschetschenien: Die Welt ruft Russland auf zu handeln

Genaue Untersuchung der Vorfälle und Freilassung der Festgehaltenen wird gefordert

Regenbogenflagge
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Die Meldung der russischen Zeitung „Nowaya Gazeta“, dass in Tschetschenien schwule Männer von staatlichen Sicherheitskräften verschleppt, gefoltert und teilweise getötet werden sollen, sorgt international für Empörung.

US-Außenministerium fordert eine unabhängige Untersuchung

Wie die LGBT-Zeitung „Washington Blade“ berichtet, fordert ein Sprecher des US-Außenministeriums die russische Regierung auf, „eine unabhängige und glaubwürdige Untersuchung über die mutmaßlichen Morde und Massenverhaftungen durchzuführen und die verantwortlichen Täter vor Gericht zu bringen“. Man verurteile „Gewalt gegen Einzelpersonen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder aus anderen Gründen“, so das Außenamt weiter.

Die parlamentarische Versammlung des Europarates bezeichnete die Recherchen der „Nowaya Gazeta“ in einer Pressemitteilung als „besorgniserregend“. Besonders beunruhigend sei, dass die tschetschenischen Behörden alle Anschuldigungen abstritten und sogar „implizierten, solche Taten zu verzeihen“: „Niemand sollte je Angst haben, seine sexuelle Orientierung auszudrücken. Die Behörden haben eine Pflicht, alle Bürger vor Hassverbrechen zu schützen. Sie müssen ferner sicherstellen, dass Personen, die davon berichten oder betroffen sind, von Vergeltungsmaßnahmen, inklusive sogenannter ‚Ehrenmorde‘, geschützt sind.“

EU stimmt ihre Reaktionen noch ab, Großbritannien in Sorge über LGBT in Russland

Bereits am Dienstag hat der österreichische Außenminister Sebastian Kurz gemeint, die Berichte bereiteten ihm „große Sorgen“: Das Außenamt versuche über die österreichische Botschaft in Moskau gemeinsam mit den EU-Partnern vor Ort, die Vorwürfe zu verifizieren und gemeinsame mögliche Reaktionen abzustimmen. „Die Vorwürfe müssen restlos aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden“, so auch Kurz.

Besorgt über die Vorfälle in Tschetschenien zeigt sich auch das britische Außenministerium. „Die menschenrechtliche Situation für LGBT in Russland hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert und wir haben unsere ernsten Sorgen über diese Entwicklungen den russischen Behörden auf allen Ebenen mitgeteilt“, heißt es aus London.

Briefe, Faxe und Mails: Amnesty International ruft seine Unterstützer auf zu handeln

Auch internationale Menschenrechtsorganisationen sind unterdessen aktiv geworden. Amnesty International hat eine weltweite „Urgent Action“ ausgerufen. Das heißt, Bürger sollen durch kleine Maßnahmen für Widerstand sorgen. In diesem Fall sollen sie die russischen Behörden oder den Botschafter in den einzelnen Ländern anschreiben und sich für eine „zielführende und umfassende Untersuchung der Berichte“ aussprechen.

Auch die LGBT-Dachorganisation ILGA-Europe hat ein sofortiges Ende der Gewalt gegen die LGBT-Community in Tschetschenien gefordert, eine Freilassung der Festgehaltenen und eine sorgfältige Untersuchung der Vorfälle in Tschetschenien.

Da von der Jagd auf schwule Männer in der Kaukasusrepublik nach jetzigen Informationen auch zwei Fernsehjournalisten betroffen sind, forderte auch die russische Journalistengewerkschaft eine „transparente Untersuchung“ der Vorfälle. Äußerungen von Verantwortlichen, die solche illegalen Aktionen gutheißen und keinen Respekt für die Opfer zeigten, seien „abscheulich“, so die Standesvertretung.