Hatte der offen schwule Bürgermeister von Seattle Sex mit einem 15-Jährigen?

Gibt es wirklich einen Verdacht gegen den beliebten Politiker oder wollen ihm seine Gegner nur schaden?

Ed Murray
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Schwere Anschuldigungen gibt es gegen Ed Murray, den offen schwulen Bürgermeister der US-Metropole Seattle im Bundesstaat Washington: Der 61-Jährige soll vor zwanzig Jahren Sex mit Minderjährigen gehabt haben.

Nach geltendem Recht in dem US-Bundesstaat zählt Geschlechtsverkehr mit Unter-16-Jährigen als Vergewaltigung. Der Politiker weist die Vorwürfe zurück und spricht von einer Schmutzkübelkampagne.

Die Tat soll mehr als 20 Jahre zurückliegen, das mutmaßliche Opfer war ein damals 15-jähriger Crack-Süchtiger

Auffallend ist zunächst, dass die Vorwürfe erst mehr als 20 Jahre nach der Tat öffentlich werden. Das mutmaßliche Opfer hat dafür eine Erklärung: Der heute 46-Jährige habe sich erst entschieden, den Fall öffentlich zu machen, nachdem sein Vater gestorben war.

In der Aussage, die der Mann auf einem Polizeirevier in Seattle machte, heißt es, der heutige Bürgermeister hatte im Jahr 1986 Sex mit dem Burschen und bezahlte ihm dafür zwischen zehn und zwanzig Dollar. Er war damals 15 Jahre alt und süchtig nach Crack, so der Mann. Murray habe ihn über mehrere Jahre „vergewaltigt und belästigt“, so die Aussage.

„Die Momente der Erinnerung und das Bewusstsein, dass Murray einen Autoritätsposten innehat, haben zur Einreichung der Klage geführt, um  ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Und hoffentlich gibt sie anderen möglichen Opfern den Mut, einen Schritt vorwärts zu machen und sich zu öffnen“, erklärte der Anwalt des Klägers in einer Stellungnahme.

Zwei weitere Opfer haben sich gemeldet, die Polizei konnte keine Verbindung zwischen ihnen und Murray finden

Mittlerweile haben sich auch zwei weitere Männer gemeldet, mit denen Ed Murray Sex gehabt haben soll, als sie noch minderjährig waren. Er habe sie in den 1980er-Jahren in einem Zentrum für benachteiligte Jugendliche in Portland getroffen, sagen sie heute. Das würden sie auch bezeugen – allerdings hat die Polizei von Portland bis jetzt keine Verbindung zwischen Murray und den beiden Männern gefunden.

Murrays Sprecher Jeff Reading weist die Anschuldigungen dementsprechend scharf zurück: Diese hätten nur das Ziel, „einem prominenten gewählten Amtsträger zu schaden“. So habe es bereits zwei Mal ähnliche Anschuldigungen gegen den Bürgermeister von Seattle gegeben – diese wurden „von extremen rechten Anti-Homo-Aktivisten während der Kampagne zur Öffnung der Ehe“ lanciert, so der Sprecher.

Ähnliche Anschuldigungen verliefen schon einmal im Sand

Denn bis jetzt verpufften sämtliche Anschuldigungen gegen den schwulen Politiker im Nichts: Bei ähnlichen Vorwürfen im Jahr 1984 war die Beweislage so dünn, dass sich die Bezirksanwaltschaft von Multnomah County weigerte, auch nur Anklage gegen Murray wegen „Sodomie dritten Grades“ zu erheben.

Reading ist sich deshalb sicher, es sei „kein Zufall, dass diese infamen Anschuldigungen innerhalb weniger Wochen nach der Bekanntgabe der Wiederkandidatur kommen.“ Und sein Anwalt Bob Sulkin fügt hinzu: „Solche Prozesse sind nun einmal der Preis dafür, eine öffentliche Person zu sein.“

Die Gerüchte seien „sehr schmerzhaft“ für Murray und seinen Mann, sagt der Bürgermeister

Murray selbst sagte, die Anschuldigungen seien „sehr schmerzhaft für mich. Es war auch schmerzhaft für meinen Mann.“ Er ist seit 24 Jahren mit seinem Partner Michael Shiosaki zusammen. Im Jahr 2013 haben sie geheiratet – nachdem sich Murray als Abgeordneter jahrelang für die Öffnung der Ehe stark gemacht hatte.

Der Bürgermeister von Seattle hat sich immer wieder für die Rechte sexueller Minderheiten stark gemacht und sich auch deutlich gegen Präsident Donald Trump ausgesprochen. Auch deshalb glaubt sein Anwalt eine Schmutzkübelkampagne politischer Gegner. Sulkin versprach der Presse, „die Klage energisch abzuwehren“ und bekräftigte, dass Ed Murray auch in der Zukunft „seinen Job für Seattle machen“ werde.