Samstag, 20. Juli 2024
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Südkorea: Armeechef macht Jagd auf schwule Soldaten

Cybercrime-Team der Armee hackt schwule Dating-Portale, Soldaten werden entwürdigenden Verhören unterzogen

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In Südkorea soll Armeechef Jang Jun-kyu nach Informationen einer Menschenrechtsorganisation eine landesweite Razzia in Auftrag gegeben haben, um schwule Soldaten aufzuspüren. Die Organisation „Military Human Rights Center for Korea“ (MHRCK) gibt an, über mehrere Wochen die Aussagen Betroffener gesammelt hat.

Nach einem Sex-Video von zwei Soldaten greift die Armeeführung durch

Ausgangspunkt für die Hatz auf schwule Soldaten soll ein Video gewesen sein, das zwei junge Soldaten beim Sex zeigt und in Sozialen Netzwerken zirkuliert. Das südkoreanische Militär hat daraufhin angegeben, den Fall zu untersuchen.

Doch dabei ist es nach Informationen des MHRCK nicht geblieben. Das Cybercrime-Ermittlungsteam der Armee soll auf Befehl der Armeeführung heimlich Dating-Apps für Schwule ausspioniert haben, um so homosexuelle Soldaten zu finden. Zusätzlich sollen sie Telefongespräche abgehört haben. Die Menschenrechtsorganisation veröffentlichte Mitschnitte von Telefongesprächen und Screenshots von Chatverläufen, um ihre Behauptungen zu untermauern.

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In entwürdigenden Einzelverhören sollten die Soldaten schwule Kameraden verraten

Auch entwürdige Einzelverhöre soll es auf Anordnung des Armeechefs gegeben haben. Dabei wurden Zeugenaussagen zufolge die Betroffenen über intimste Details ihres Sexuallebens ausgefragt und aufgefordert, weitere schwule Kameraden zu outen. Die Armee selbst bestreitet die Vorwürfe. Das Verteidigungsministerium wollte sich dazu nicht äußern.

Das Ergebnis der fragwürdigen Ermittlungen: Ein Rekrut wurde wegen „Sodomie“ verurteilt, zwanzig weiteren droht eine Strafe vor dem Militärgericht. Das Militärrecht stellt „Sodomie“ zwischen Soldaten mit bis zu zwei Jahren Haft unter Strafe. Die Strafe wurde erst im letzten Jahr durch die Staatsanwaltschaft bestätigt. „Im Militär gibt es ein großes Potenzial für abnorme Sexualpraktiken“, so die Begründung. Und diese würden ein „ernsthaftes Risiko“ darstellen, die Kampfbereitschaft der Truppen zu schwächen.

Homosexualität bleibt in Südkorea ein großes Tabuthema

Allerdings reicht Homosexualität als Grund für die Ausmusterung nicht aus, erklärt der 31-jährige Heezy Yang. Er lebt offen schwul, aufgrund einer Angststörung wurde ihm gestattet, statt dem Militärdienst einen Ersatzdienst in einem Seouler Bezirksamt abzuleisten. Ein absoluter Ausnahmefall, wie er aus dem eigenen Bekanntenkreis weiß.

„Die meisten von meinen schwulen Freunden haben trotz der Sorgen, in der Armee diskriminiert zu werden, ihren Wehrdienst abgeleistet“, sagt Yang in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“. Denn ein nicht abgeleisteter Wehrdienst sei ein Makel im Lebenslauf, der für viele Arbeitgeber unverzeihlich ist.

Homosexualität ist in Südkorea zwar legal, aber gesellschaftlich stigmatisiert. Einer Studie des Paw Research Center finden nur 18 Prozent der Bevölkerung Homosexualität „akzeptabel“. Durch das Antidiskriminierungsgesetz des Landes sind sexuelle Minderheiten nicht geschützt.