Selbstmordrisiko bei HIV-Positiven doppelt so hoch

Besonders gefährdet sind Menschen im ersten Jahr nach der Diagnose

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Grafik: GGG.at

HIV-positive Männer sterben in England und Wales doppelt so oft an den Folgen eines Suizids als die Durchschnittsbevölkerung. Zu diesem dramatischen Ergebnis kommt eine großangelegte Studie, die jetzt auf einer britischen HIV-Tagung präsentiert wurde.

Für die Studie wurden fast 90.000 HIV-positive Männer und Frauen in England und Wales über einen Zeitraum von 15 Jahren, von 1997 bis 2012, beobachtet. Für 58 Prozent der Todesfälle in dieser Gruppe waren AIDS-bedingte Krankheiten verantwortlich.

Selbsttötungen unter HIV-infizierten Männern im ersten Jahr nach der Diagnose fünfmal häufiger als in der Gesamtbevölkerung

Doch zwei Prozent der Todesfälle unter den HIV-positiven Männern waren auf Selbstmord zurückzuführen. Das sind doppelt so viele Suizide wie in der Gesamtbevölkerung. Bei den beobachteten Frauen, die sich mit dem Virus infiziert hatten, war diese Rate nicht höher als im Landesdurchschnitt. Ob sich die Männer in medizinischer Behandlung befinden hat der Studie zufolge keine Auswirkung auf die Häufigkeit von Selbsttötungen

Die häufigste Wahrscheinlichkeit, dass sich HIV-positive Männer selbst töten, gibt es der Studie zufolge im ersten Jahr nach der Diagnose: Fast vierzig Prozent der registrierten Fälle fanden in dieser Zeit statt. Damit liegt die Selbstmordrate bei denen, die frisch diagnostiziert wurden, fünf Mal höher als bei der Gesamtbevölkerung.

Der Kampf gegen das Stigma einer HIV-Infektion kann Leben retten

Als Gründe für die überdurchschnittlich hohe Selbstmordrate im ersten Jahr nach der Diagnose vermuten Experten das mit einer HIV-Infektion verbundene Stigma, Probleme beim Akzeptieren der Diagnose oder mangelnde Betreuung innerhalb des Gesundheitssystems. Und genau hier wollen die Verantwortlichen ansetzen, um diese traurige Zahl effektiv zu reduzieren.

„Unsere Erkenntnisse zeigen, wie wichtig es ist, das Stigma rund um HIV zu reduzieren, die psychosoziale Unterstützung zu verbessern und standardmäßige Checks auf Depressionen, Alkohol- und Drogenmissbrauch zu optimieren – besonders gleich nach der Diagnose“, erklärt Sara Croxford, die auch die Studie bei dem Kongress vorgestellt hat.

„Die Daten zeigen eindrucksvoll, dass noch viel getan werden muss, um gegen das Stigma anzukämpfen, das es rund um eine HIV-Diagnose gibt“, fügt Matthew Hodson, Geschäftsführer des Online-Expertenforums „NAM Aidsmap“, hinzu.