Indonesien: 14 Festnahmen wegen schwuler Party

Sechs Männern drohen jahrelange Haftstrafen, weil sie gegen das "Anti-Pornografie-Gesetz" verstoßen haben

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In Indonesien sind am Samstag vierzehn Männer wegen ihrer Teilnahme an einer „Party“ vorübergehend festgenommen worden. Den beiden Organisatoren drohen nun bis zu 15 Jahre Haft.

Einige Gäste hätten sich „sexuell abartig verhalten“, so die Polizei

Es war am Abend des 29. April, als die Polizei in Surabaya, der zweitgrößten Stadt Indonesiens, zwei Hotelzimmer stürmte. Dort fand sie 14 Männer – einige von ihnen haben sich gerade Schwulenpornos angesehen und sich „sexuell abartig verhalten“, so der leitende Ermittler Shinto Silitonga. Auf seiner Facebook-Seite hat er Fotos von Autos und Motorrädern gepostet, die bei dem Einsatz konfisziert wurden.

Sechs der Männer wurden mittlerweile auf freien Fuß gesetzt. Doch acht Verdächtige bleiben ihm Gefängnis. Sie werden nach dem strengen Anti-Pornografie-Gesetz angeklagt. Den beiden Hauptorganisatoren droht dabei sogar eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren, wie die französische Agentur AFP berichtet.

Homosexualität ist legal – doch der Druck von islamischen Extremisten steigt

Eigentlich ist Homosexualität in Indonesien, dem bevölkerungsreichsten muslimischem Land der Welt, legal. Das Land orientiert sich größtenteils an Gesetzen, die von der früheren Kolonialmacht Niederlande übernommen wurden. Es gibt lediglich ein unterschiedliches Schutzalter: Homosexuelle Kontakte sind ab 18 Jahren erlaubt, heterosexuelle ab 17. Nur in der Provinz Aceh, wo die Scharia gilt, wird Homosexualität mit bis zu acht Jahren Haft oder Peitschenhieben bestraft.

Allerdings hat das Land seit 2008 ein rigoroses Gesetz gegen Pornografie. Es wurde auf Initiative der islamischen Partei verabschiedet und stellt „pornografisches Handeln“ unter Strafe – ohne das genauer zu definieren. „Das ist das erste Mal, dass wir das Gesetz anwenden und Homosexuelle in der Stadt festnehmen“, so auch Silitonga.

Akzeptanz von Lesben und Schwulen für Verteidigungsminister „schlimmer als Atomkrieg“

Die offizielle Meinung zu sexuellen Minderheiten in Indonesien ist gespalten. Präsident Joko Widodo betonte im Oktober, dass es keine Diskriminierung geben dürfe und die Polizei Lesben, Schwule und Transgender schützen müsse. Verteidigungsminister Ryamizard Ryacudu hat allerdings gesagt, die Akzeptanz Homosexueller sei „schlimmer als ein Atomkrieg“. Daher müssten Schwule und Lesben mit „einer Art moderner Kriegsführung“ bekämpft werden.

Dem entsprechend hat sich die Lage für Lesben und Schwule in dem asiatischen Land in den letzten Jahren deutlich verschlechtert: So hat die Polizei im November beispielsweise auf Druck radikaler Islamisten eine Privatparty in der Hauptstadt Jakarta gestürmt und mehrere Teilnehmer verhaftet. Außerdem wurden schwule Dating-Apps wie Grindr verboten.