Emmanuel Macron und die Wichtigkeit, sich als schwul zu outen

Wie der französische Präsidentschaftskandidat als halbnackter Posterboy auf der Titelseite eines Schwulenmagazins landete

Garçon-Titelblatt
Garçon

Für Aufsehen sorgt derzeit das französische Schwulenmagazin „Garçon“: Auf der aktuellen Ausgabe des alle zwei Monate erscheinenden Blatts ist Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron als Posterboy mit nacktem Oberkörper zu sehen, darunter die Überschrift: „Coming Out – ein notwendiger Kampf.“ Dazu ein Zitat Macrons: „Die LGBT-Community wird in mir immer einen Verteidiger finden“

Homo-Gerüchte um Macron: Das Cover traf einen Nerv

Garçon-Titelblatt
Garçon

Das Cover sorgt für Diskussionsstoff: Denn Macrons Gegner streuen immer wieder Gerüchte über die sexuelle Orientierung des Kandidaten. Doch der 39-jährige Politiker hat sich in dem Magazin nicht als schwul geoutet. Er ist nach wie vor glücklich mit seiner 24 Jahre älteren Ehefrau und ehemaligen Lehrerin Brigitte.

Denn das gewagte Titelblatt ist nur eine Fotomontage. „Wir haben einen guten Grafikdesigner“, sagt „Garçon“-Journalist Tristan Barreiros mit einem Augenzwinkern dem US-Nachrichtenportal „Mashable“. Ein Grund für das Cover: Anders als die Konkurrenz habe man kein Interview mit Macron bekommen.

Ein Cover, zwei Artikel: So löst „Garçon“ das provokative Titelblatt auf

Im Heft sind dann Titelbild sowie Zitat auf der einen Seite und Überschrift auf der anderen getrennt: So gibt es einen Artikel über die Wichtigkeit des Coming Outs, und einen anderen über den Präsidentschaftskandidaten. Und der ist – wie das Zitat zeigt – durchaus wohlwollend. Schließlich hat sich Macron, anders als seine Gegenkandidatin Marine Le Pen, wiederholt öffentlich für die Rechte sexueller Minderheiten eingesetzt.

„Man muss sich gelegentlich auch etwas trauen“, sagt auch „Garçon“-Chefredakteur Christophe Soret über das ungewöhnliche Titelblatt. Er gibt zu, dass das Cover bei einigen für Verwirrung gesorgt haben kann – „aber wir haben klar gesagt, dass er nicht schwul ist, das kommt im Artikel klar heraus.“

Im Team des Präsidentschaftskandidaten wird die Fotomontage eher locker gesehen:  „Emmanuel Macron hat über sein Privatleben immer Klartext geredet“, erklärte Sibeth Ndiaye, Pressesprecherin des Kandidaten, der französischen Ausgabe von „Mashable“. Das Bild Macrons ohne dessen Erlaubnis zu verwenden findet sie allerdings „nicht sehr elegant“. Rechtliche Folgen fürchtet „Garçon“ nicht – der Verlagssitz ist offiziell in Großbritannien.