Wahl einer offen lesbischen Bischöfin bei den Methodisten ungültig

Aber vorerst darf Karen Oliveto im Amt bleiben - was konservative Gemeinden auf die Palme treibt

Karen Oliveto
Charmaine Robledo/Mountain Sky Episcopal Area

Weil sie lesbisch ist, durfte Pastorin Karen Oliveto nicht zur Bischöfin gewählt werden. Dieses Urteil hat ein Kirchengericht der US-amerikanischen Methodistenkirche gefällt. Sie verstoße mit ihrer offen gelebten Homosexualität gegen die Richtlinien der Kirche.

Seit 17 Jahren in einer Beziehung steht Karen Oliveto 400 Gemeinden vor

Oliveto ist seit 17 Jahren mit ihrer Partnerin Robin Ridenour zusammen. Sie war letzten Juli zur Bischöfin des Kirchenbezirks „Mountain Sky“ gewählt worden, im September hat sie ihr Amt angetreten. Damit steht sie 400 Gemeinden in den Bundesstaaten Colorado, Utah, Wyoming, Montana und Idaho vor. Doch diese Wahl ist ungültig, entschied das Judicial Council, das höchste Gericht der zweitgrößten protestantischen Konfession in den USA, mit einer Mehrheit vob sechs zu drei Stimmen.

Denn die Wahl einer offen lesbischen Frau verstoße gegen die Richtlinien der Kirche: Im Jahr 1972 wurde beschlossen, dass „selbsterklärte praktizierende Homosexuelle“ nicht geweiht werden dürften, weil Homosexualität „unvereinbar mit der christlichen Lehre“ sei. Wie es mit Karen Oliveto weitergeht, ist unklar. Vorerst darf sie im Amt bleiben, über ihr Schicksal soll vor Ort in einem Disziplinarverfahren entschieden werden.

Vorerst darf Oliveto im Amt bleiben – was konservative Gemeinden erzürnt

„Ich bin guter Dinge“, sagte Oliveto lokalen Medien. „Ich bin noch immer Bischöfin des Kirchenbezirks von Mountain Sky. Ich bin sehr aufgeregt, Bischöfin dieses Bezirks zu sein und mit gefällt die Arbeit, die wir dort begonnen haben, sehr.“

Dass die lesbische Bischöfin vorerst im Amt bleiben darf, sorgt bei den konservativ-evangelikalen Teilen der Kirche für Empörung. So erklärte die evangelikale Methodisten-Gruppe „Good News“, die Entscheidung führe zu „Verwirrung“: „Viele Methodisten werden daraus schließen, dass die Kirche nicht bereit ist, die biblischen, altehrwürdigen und fundierten Lehren über sexuelle Praktiken und die Ehe zu verteidigen.“ Einige Gruppen drohten auch mit Abspaltung.

Zweitgrößte protestantische Konfession in den Vereinigten Staaten

Mit 7.4 Millionen Mitglieder sind die Methodisten die zweitgrößte protestantische Konfession in den Vereinigten Staaten. In vielen Punkten gilt die Kirche als liberal, bei der Akzeptanz von Lesben und Schwulen hat die Kirche aber Aufholbedarf. So wurde 2012 das Verbot von Segnungen und Eheschließungen für gleichgeschlechtliche Paare von der Synode bestätigt. Bei der nächsten Synode 2019 soll die Beziehung der Kirche zu Homosexuellen erneut auf der Tagesordnung stehen.

Trotz des 1972 eingeführten offiziellen Verbots für „selbsterklärte praktizierende Homosexuelle“ als Priester zu dienen, gibt es unter den Geistlichen viele Lesben und Schwule. Ähnlich wie die mittlerweile aufgehobene „Don’t Ask Don’t Tell“-Regel beim US-Militär werden sie in einigen Kirchenbezirken nicht nach ihrer sexuellen Orientierung gefragt und geduldet.