Warum Poppers die Augen langfristig schädigen kann

Britische Mediziner warnen: Schwere Schäden der Netzhaut sind bei dauernder Verwendung nicht auszuschließen

Poppers
Archiv

Bei vielen schwulen Männern ist Poppers zur kurzfristigen Luststeigerung beliebt – doch die Droge kann langfristig das Auge schädigen. Zu diesem Schluss kommt ein englisches Forscherteam rund um Dr. Rebecca Rewbury.

Poppers hat einen „ernstzunehmenden Effekt“ auf die Sehkraft

Sie untersuchten zwischen 2013 und 2016 zwölf Männer im Alter von 31 bis 59 Jahren in regelmäßigen Abständen, die über Sehstörungen nach dem Gebrauch von Poppers berichtet hatten. Diese reichten von unscharfem Sehen bis zu Ausfällen des Gesichtsfelds. Dabei entdeckten die Forscher „erhebliche Hinweise“, dass Poppers einen „ernstzunehmenden Effekt auf die Sehkraft“ habe.

Die Sehstörungen traten innerhalb von Stunden oder Tagen ein, nachdem Poppers von den Probanden konsumiert wurde. Nachdem die Männer aufhörten, Poppers zu konsumieren, verschwanden diese Schäden in den meisten Fällen innerhalb weniger Monate auch wieder.

Ist ein neuer Inhaltsstoff für die Sehstörungen verantwortlich?

Was diese Schäden genau verursacht hat, ist noch unklar. Doch die Wissenschaftler haben einen Verdacht: Im Jahr 2006 wurde einer der Hauptbestandteile von Poppers ausgetauscht. Statt Isobutylnitrit, das krebserregend sein soll, verwenden die meisten Hersteller heute für die Schnüffeldroge Isopropylnitrit. Dass diese Substanz die Augen schädigen kann, haben französische Wissenschafter schon 2010 herausgefunden.

Einige jahrelange Konsumenten berichten, dass bei ihnen die ersten Sehstörungen mit der Umstellung der Inhaltsstoffe zusammengefallen sind. Auch hatten jene Probanden, deren Poppers kein Isopropylnitrit enthielt, auch keine Sehstörungen. Deshalb glaubt das Team rund um Dr. Rewbury auch, dass diese Chemikalie die Sehgrube schädigen kann, eine für das Scharfsehen gelegene Einsenkung im Zentrum des Gelben Flecks.

„Wir brauchen die Sehgrube, um zu lesen oder einen Computer zu benutzen, oder ein Handy“, erklärt der Augenarzt Dr. Richard Spaide aus New York, der sich die Studie genauer angesehen hatte. Poppers würde hier „unheimlichen Schaden an den Zellen“ anrichten: „Die so entstandene Läsion schaut ähnlich aus wie jene, wenn man direkt in die Sonne sieht.“

Der „Kick“ könnte die Netzhaut schädigen

Aber wie kann Poppers die Netzhaut schädigen? „Poppers erzeugt eine rasche Erweiterung der Blutgefäße – das verursacht wahrscheinlich den ‚Kick‘, den die Verwender mögen“, erklärt Spaide. Doch offenbar hat die Schnüffeldroge auch einen Einfluss auf bestimmte zelluläre Prozesse – „und das könnte Teil des Schadens sein, den sie verursachen. Es ist möglich, dass Photorezeptoren – die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut – durch den oxidativen Schaden der Droge geblendet werden, was zu einer Verschlechterung der Funktion und dem Verlust von Zellen führt.“

Und das Team rund um Dr. Rebecca Rewbury fügt hinzu: „Während die Netzhautschäden nach dem Ende des Gebrauchs verschwinden können, können die Symptome länger andauern und die Sehstörungen durch die chronische Verwendung neuerer Marken von Poppers sind unbekannt. Deshalb scheint es angebracht zu sein, dass der Schaden, der mit Poppers verbunden ist, neu bewertet werden sollte.“

Mit Viagra kann Poppers tödlich sein, in Österreich ist der Verkauf verboten

Unter Poppers werden in erster Linie Schnüffeldrogen zusammengefasst, die ursprünglich zur Behandlung von Herzkrankheiten verwendet wurden. Weil die Muskeln dabei entspannen, fällt vielen Männern der Analverkehr leichter, auch gibt es einen kurzen mentalen Kick durch die Erweiterung der Blutgefäße.

Mit Viagra verwendet kann Poppers – wie auch andere Drogen – zu einem plötzlichen Blutdruckabfall führen, der in den allermeisten Fällen tödlich ist. Auch bei der Verwendung mit anderen Medikamenten oder Drogen ist Vorsicht geboten.

In Österreich ist der freie Verkauf von Poppers nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs aus dem Jahr 2015 verboten. Zuvor hatte bereits das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) Poppers als Arzneimittel eingestuft. In Deutschland ist der Besitz von Poppers legal, der Verkauf allerdings verboten, weil es als verschreibungspflichtiges Arzneimittel eingestuft wird.