Belgien hebt Blutspendeverbot für Schwule auf

Zwölf Monate Enthaltsamkeit statt Totalverbot: Auch ein Modell für Österreich und Deutschland?

Blutkonserven
Symbolbild - Rotes Kreuz

Belgien hebt das vollständige Blutspende-Verbot für schwule und bisexuelle Männer auf. Damit folgt es dem Beispiel anderer europäischer Länder wie beispielsweise der Schweiz. In Österreich sind alle Männer, die jemals Sex mit einem Mann gehabt haben, weiterhin von der Blutspende ausgeschlossen.

Zwölf Monate Enthaltsamkeit statt vollständigem Verbot

Das belgische Kabinett hat die Aufhebung des Blutspende-Verbots Ende April auf Antrag von Gesundheitsministerin Maggie De Block beschlossen. „Unsere Priorität bei der Blutspende ist die Sicherheit der Patienten, die Bluttransfusionen brauchen, und dabei ist ein risikoreiches Sexualverhalten ein wichtiger Faktor. Die sexuelle Orientierung spielt keine Rolle“, so die Ministerin.

An die Stelle des kompletten Verbots treten neue Richtlinien, die weiterhin für sichere Blutspenden sorgen sollen. So dürfen Blutspender künftig zwölf Monate vor der Spende keinen schwulen Sex, Sex gegen Geld oder Sex mit jemandem, der sich Drogen spritzt, gehabt haben. Der zwölfmonatige Ausschluss von der Blutspende gilt auch für Heterosexuelle, die mehrere Sexualpartner hatten.

Das belgische Rote Kreuz begrüßt das Ende des vollständigen Blutspendeverbots für schwule und bisexuelle Männer und verteidigt die zwölfmonatige Karenzzeit. „MSM-Kontakte sind ein unbestreitbarer Risikofaktor“, erklärte An Luyten, Sprecherin des Roten Kreuzes, der belgischen Zeitung „Standaard“.

In vielen europäischen Ländern dürfen schwule und bisexuelle Männer bereits Blut spenden

Dass schwule und bisexuelle Männer in vielen Ländern der Welt kein Blut spenden dürfen, ist ein Relikt aus der Zeit der „Aids-Krise“ in den 1980er-Jahren. Mittlerweile haben viele Länder aber die Regeln wieder gelockert. Dabei hat sich die einjährige Karenzzeit in einigen Ländern als neuer Standard etabliert: Sie gilt neben der Schweiz unter anderem in Großbritannien, der Republik Irland, den Niederlanden, Frankreich und den USA.

Aids-Aktivisten lehnen allerdings auch den zwölfmonatigen Blutspende-Ausschluss für schwule und bisexuelle Männer ab. Sie verlangen, dass das individuelle Verhalten der potenziellen Spender dessen Eignung bestimmen sollte und nicht die sexuelle Orientierung. Eine dem entsprechende Regelung gibt es derzeit in sechs EU-Staaten, nämlich in Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien.