[Video] Nach Missbrauchs-Vorwürfen: Schwuler Bürgermeister von Seattle gibt auf

Alle Anschuldigungen der mutmaßlichen Opfer weist der Demokrat von sich

Ed Murray
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In der US-Großstadt Seattle ist der offen schwule Bürgermeister Ed Murray über teils Jahrzehnte zurückliegende Missbrauchsvorwürfe gestolpert. Er selbst bestreitet alle Anschuldigungen, tritt zur Wahl in einem halben Jahr aber nicht mehr an.

In den 1980er-Jahren soll er vier Burschen missbraucht haben – sagen die vorbestraften Opfer heute

Murray soll in den Achtzigerjahren minderjährige Burschen missbraucht haben, so der Vorwurf. In der Aussage, die der heute 46-Jährige auf einem Polizeirevier in Seattle machte, heißt es, der heutige Bürgermeister hatte im Jahr 1986 Sex mit dem Burschen und bezahlte ihm dafür zwischen zehn und zwanzig Dollar. Er war damals 15 Jahre alt und süchtig nach Crack, so der Mann. Murray habe ihn über mehrere Jahre „vergewaltigt und belästigt“.

Anfang April meldeten sich zwei weitere Männer bei der „Seattle Times“, die Murray ähnliche Vergehen vorwarfen. Er habe sie in den 1980er-Jahren in einem Zentrum für benachteiligte Jugendliche in Portland getroffen, sagen sie heute. Letzte Woche meldete sich schließlich  Maurice Lavon Jones bei lokalen Medien. Der 44-jährige Gefängnisinsasse erklärte, Murray habe ihn als Minderjährigen sexuell missbraucht und ihm Geld für Sex gegeben.

Ed Murray kandidiert nicht mehr als Bürgermeister – um sich, seinen Mann, die Community und echte Opfer zu schützen

Nun zieht Ed Murray die Vorwürfe aus den Anschuldigungen: Bei einer Pressekonferenz hat der 61-jährige Demokrat angekündigt, sich Anfang November nicht mehr der Wiederwahl zu stellen. Er war seit Ende 2013 Bürgermeister von Seattle. Die Vorwürfe der vier Männer, die alle ein langes Register an Vorstrafen haben, wies er erneut zurück. „Die Vorwürfe sind unwahr. Das sage ich mit allem Ernst und mit großer Aufrichtigkeit. Aber der Skandal um diese Vorwürfe schadet dieser Stadt“, so der Bürgermeister von Seattle.

Er wolle auch verhindern, dass diese Vorwürfe den Wahlkampf überschatteten – und so alte Vorurteile gegen schwule Männer wieder aufbrechen könnten. „Die Vorwürfe gegen mich zeichnen ein historisches Bild von mir als schlimmstmögliches Abbild eines schwulen Mannes“, erklärte Murray. Auch seine Familie, sein Mann Michael und echte Opfer sexueller Gewalt würden durch die Berichterstattung belastet werden.

Hinter den Anschuldigungen könnte ein nun gelungener Versuch stecken, einen erfolgreichen Politiker zu stoppen: Ed Murray ist als Bürgermeister sehr beliebt, als Parlamentsabgeordneter für den Bundesstaat Washington hat er unter anderem jahrelang für eine Öffnung der Ehe gekämpft. Als Bürgermeister hat er einen Mindestlohn von 15 Dollar eingeführt – mehr als doppelt so viel als das nationale Minimum. Durch diese und weitere politische Themen wurde er zu einem Feindbild der Konservativen.