Schwuler Mann in Berlin getötet: Weiterhin Rätsel über Motiv

"Er war zur falschen Zeit am falschen Ort", glaubt seine Schwester

Stefan Unterweger
Polizei Berlin

Zwei Tage nach dem Mord an dem gebürtigen Südtiroler Stefan Unterweger im Berliner Volkspark Friedrichshain werden nun immer mehr Details aus seinem Leben bekannt – eine Spur oder zumindest einen Grund für das Gewaltverbrechen gibt es noch nicht.

„Mein Bruder hatte keine Feinde oder Streit“, sagt seine Schwester

„Mein Bruder Stefan wurde weder bedroht noch hatte er in Berlin Feinde oder Streit“, sagte seine Schwester Ilona der Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“. Sie glaubt, dass Stefan schlicht das Pech hatte, „im falschen Moment am falschen Ort zu sein“: „Ich kann mir vorstellen, dass es sich um einen Raubüberfall handelt. Oder jemand hat Streit gesucht.“

Die Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“ hat unterdessen mit Matthias, dem Lebensgefährten des Getöteten gesprochen. Sie lebten seit zwei Jahren gemeinsam etwa einen Kilometer vom Tatort entfernt in einer in einer WG. „Wir haben zusammen den ESC geguckt, er wollte dann noch mal frische Luft schnappen, um den Block gehen“, erinnert er sich.

Nach dem ESC wollte Stefan Unterweger noch Luft schnappen gehen

Als Unterweger um vier Uhr noch nicht zu Hause war, hat sich sein Freund zunächst nichts gedacht: Der 34-jährige Informatiker habe öfter ausgedehnte Spaziergänge gemacht, sagt sein Partner der Berliner Tageszeitung. Gegen sieben Uhr ist Matthias dann aufgewacht – und sein Partner noch immer nicht zu Hause: „Da habe ich mir Sorgen gemacht. Ich habe versucht, ihn anzurufen, habe ihm geschrieben. Er antwortete nicht“, erinnert er sich.

Eine halbe Stunde später kam er mit dem Fahrrad am Volkspark Friedrichshain vorbei, sah die Polizisten. Bald hatte er Gewissheit. „Ich bin in Trauer“, sagt Mathias zur „B.Z.“. Er zweifelt, dass der Täter gefunden werden kann: „Um die Zeit laufen da kaum Leute rum.“ Die Tat ereignete sich zwischen 2.00 Uhr und 5.00 Uhr im Bereich des kleinen Bunkerberges.

Der Volkspark ist unter schwulen Männern als Cruising-Gebiet bekannt. Allerdings befindet sich die bekannteste Anlaufstelle am Märchenbrunnen, genau auf der anderen Seite der Grünanlage. Unterweger wurde gegen 5.00 Uhr schwer verletzt gefunden und starb eine Stunde danach an einer Stichverletzung in die Lunge. Da der Täter auch im Taxi geflüchtet sein könnte, bittet die Polizei auch Taxifahrer um ihre Mithilfe.