Home Politik International „Schlag härter zu“: Mob jubelt bei Prügelstrafe gegen Schwule in Indonesien

„Schlag härter zu“: Mob jubelt bei Prügelstrafe gegen Schwule in Indonesien

83 Stockhiebe für schwules Paar: Strafe wurde vollstreckt

Symbolbild - Pixabay

In Indonesien wurden gestern zwei Männer öffentlich ausgepeitscht, weil sie schwul sind. Die beiden Männer im Alter von 20 und 23 Jahre waren letzte Woche nach islamischem Recht zu jeweils 85 Stockhieben verurteilt worden. Der Richter lag damit über der Forderung des Staatsanwalts, der nur 80 Peitschenhiebe gefordert hatte.

Zum ersten Mal wurde das strenge islamische Recht vollstreckt

Es war das erste Mal, dass nach einer Verschärfung der Gesetze im Jahr 2014 jemand wegen seiner Homosexualität ausgepeitscht wurde. Augenzeugen zufolge fand die Auspeitschung auf einem Gerüst vor einer Moschee in der Hauptstadt Banda Aceh statt. Die beiden Verurteilten wurden von etwa 500 Schaulustigen mit lautem Grölen empfangen. Dann vollzog ein Mann, der eine Maske trug, das grausame Urteil.

Die Schaulustigen forderten nach einem Bericht der BBC den Foltermeister auf, härter zuzuschlagen – daneben machten sie Handyvideos von der Züchtigung oder streamen die Bestrafung live ins Internet. Zwei Stockhiebe wurden ihnen erlassen, weil sie wochenlang in Untersuchungshaft waren. „Ich wollte das sehen, damit es für mich als Lektion dienen kann, nicht gegen islamische Lehren zu verstoßen“, sagte eine 20-jährige Studentin, die unter den Zuschauern war: „Homosexualität ist eine heilbare Krankheit, es ist im Islam sehr verboten.“

Die beiden Männer wurden von einem Mob erwischt und festgehalten

Die Männer wurden vor etwa einem Monat verhaftet: Ein homophober Mob war in ihr Zimmer eingedrungen und erwischte sie offenbar im Bett. Das Video verbreitete sich über soziale Netzwerke schnell in ganz Indonesien.

Neben den beiden schwulen Männern bekamen acht weitere Personen öffentliche Stockhiebe. Darunter waren auch zwei Frauen, die bestraft wurden, weil sie angeblich Männern, mit denen sie nicht verheiratet waren, „Zuneigung gezeigt“ haben sollen.

Indonesien ist mit mehr als 200 Millionen Muslimen der weltweit bevölkerungsreichste islamische Staat. Homosexualität ist dort zwar gesellschaftlich geächtet, aber eigentlich nicht verboten. Doch in der konservativen Provinz Aceh gilt seit einer Gesetzesänderung eine strenge Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia. Gleichgeschlechtlicher Sex kann seitdem mit bis zu 100 Stockhieben bestraft werden. Diese Regelung wurde bis jetzt aber noch nie angewandt. Das Urteil hatte international Proteste ausgelöst.

Die mobile Version verlassen