„Auch Jesus wäre dafür“: NEOS wollen Ehe noch vor der Wahl öffnen

Parteichef Matthias Strolz hat in dieser Frage leise Hoffnung

Matthias Strolz
NEOS

Matthias Strolz, Obmann der NEOS, kann sich vorstellen, die Ehe noch vor der Nationalratswahl im Oktober für schwule und lesbische Paare zu öffnen. Das hat er in einem Interview mit den „Vorarlberger Nachrichten“ und der „Tiroler Tageszeitung“ gesagt.

Strolz will „aufgeschlossene Geister der ÖVP überzeugen“, die Ehe zu öffnen

„Auch bei der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare sehe ich eine große Chance: Da gäbe es die Zustimmung von SPÖ, Grünen und NEOS. Wir müssten nur die unabhängigen Mandatare davon überzeugen oder einige aufgeschlossene Geister in der ÖVP. Ich bin überzeugt: Auch Jesus hätte mit Ja gestimmt. Das sage ich aus einer christlichen Grundhaltung heraus“, so Strolz im Gespräch mit den beiden Regionalzeitungen.

Doch ganz so realistisch scheint diese Hoffnung derzeit nicht zu sein: Ob sich die Position der ÖVP zur Ehe-Öffnung durch ihren neuen Obmann Sebastian Kurz geändert hat, ist unklar – die eigenen Positionen will man erst im Wahlkampf vorstellen. Bis dahin dürfte die ÖVP die Reihen dicht machen, wenn es um solche Entscheidungen geht.

„Wilde Mandatare“ sind eine schlechte Wahl für die Öffnung der Ehe

Und auch die unabhängigen Mandatare werden eher nicht dafür stimmen, die Ehe für schwule und lesbische Paare zu öffnen. Denn unter ihnen ist beispielsweise Marcus Franz, ehemaliger Team-Stronach- und ÖVP-Abgeordneter. „Es kann eine Partnerschaft geben, das ist okay, aber eine Ehe kann nicht sein“, so der Politiker im November 2013 in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „profil“. Denn nur in einer Ehe gebe es die Möglichkeit der Fortpflanzung, so Franz. Homosexualität bezeichnete Marcus Franz in diesem Intervie als „amoralisch“ und „genetische Anomalie“: wäre es „normal“, so der Abgeordnete damals, „wäre die Welt schon ausgestorben“.

Eine Möglichkeit, die Positionen der einzelnen Abgeordneten zur „Ehe für Alle“ abzutesten, könnte es noch vor den Neuwahlen geben: Nachdem die SPÖ Mitte Mai aus Gründen der Koalitionsräson gegen einen Antrag der Grünen zur Ehe-Öffnung gestimmt hat, haben die Sozialdemokraten angekündigt, noch in dieser Legislaturperiode einen eigenen Antrag einzubringen. Gelegenheiten dazu hat die SPÖ nicht mehr viele: Die nächsten Plenarsitzungen des Nationalrats sind für den 7./8. Juni uns den 28./29. Juni angesetzt – dann dürfte sich das Parlament durch den Neuwahlantrag auflösen.