Bremen: Psychoterror gegen schwule Männer

29-Jähriger schickte falsche Todesanzeigen, tausende Drohungen und betrog Unwissende im Namen seiner Opfer

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In Bremen soll ein 29-jähriger Stalker mehrere schwule Männer vor allem über das Internet erpresst und bedroht haben. Das berichtet Radio Bremen in einer Exklusivmeldung. Der Staatsschutz der Hansestadt hat wegen Hasskriminalität ermittelt, nun liegt der Fall beim Staatsanwalt.

Internet-Betrug, Missbrauch von Notrufen, Räuberische Erpressung

Dem Mann, für den die Unschuldsvermutung gilt, wirft die Polizei insgesamt zehn Tatbestände vor: Internetbetrug, Nachstellung, Missbrauch von Notrufen, illegale Bildaufnahmen, üble Nachrede, Nötigung, Datenfälschung, Daten-Ausspähung, Bedrohung und Räuberische Erpressung.

Radio Bremen berichtet von einem Betroffenen, von dem der mutmaßliche Täter Anfang 2016 Fotos in der Bremer Innenstadt aufgehängt haben soll, auf denen auch „Ja, ich bin schwul“ stand. Seitdem meldete sich der Unbekannte per Internet oder Telefon bei dem 17-jährigen Schüler. Mindestens fünftausend Mal hat er ihn innerhalb von sechs Monaten Postings auf Facebook, Anrufen oder WhatsApp-Nachrichten kontaktiert, schätzt das Opfer.

Im Namen seiner Opfer soll der Stalker ahnungslose Internet-User betrogen haben

Und nicht nur von dem Unbekannten bekam der Schüler Nachrichten und Anrufe: Der Mann soll im Namen seines Opfers im Internet Geschäfte abgeschlossen und sich Geld überwiesen haben. Auch soll er das Facebook-Konto des Schülers und seine Telefonnummer gehackt und damit Leute bedroht haben. Auch wurde unter der Nummer die Feuerwehr zu falschen Einsätzen gerufen.

Der Stalker nahm aber nicht nur die Identität des 17-jährigen Schülers an. Auf Facebook legte er auch Profile seiner Freunde an, mit denen er sein Opfer bedrohte. Dieser wusste schon bald nicht mehr, wem er vertrauen oder was er glauben konnte. Und damit war der Alptraum noch nicht zu Ende.

Nur durch einen glücklichen Zufall erschien die falsche Todesanzeige eines Opfers nicht in der Zeitung

„Mich haben Leute angerufen, die gesagt haben: ‚Sie haben mir gerade telefonisch gedroht, sie würden meine Tochter umbringen, wenn ich auf die Osterwiese gehe‘ Der hat Leute mit unserer Nummer angerufen, die du dann auch wieder davon überzeugen musstest, dass das alles so nicht stimmt.“, erinnert sich die Mutter des Schülers gegenüber Radio Bremen.

Danach erhielt der Schüler telefonische Todesdrohungen. Um den Drohungen Nachdruck zu verleihen, gab der Unbekannte bei einer Tageszeitung eine Todesanzeige mit dem Namen des Schülers auf. Nur durch einen glücklichen Zufall erschien sie dort nicht. Auch tauchte an seiner Schule plötzlich ein Trauerkranz mit dem Namen des Bedrohten auf.

Polizei vermutet, dass es noch weitere Opfer gibt

Manche Opfer seien sich ihres Lebens nicht mehr sicher gewesen, zitiert Radio Bremen einen mit dem Fall vertrauten Beamten. Da die Polizei davon ausgeht, dass die Verbrechen aus Hass gegen eine Minderheit – in diesem Fall schwule Männer – begangen wurden, ermittelte der Bremer Staatsschutz. Die Erkenntnisse wurden an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Diese hat allerdings noch keine Anklage erhoben. Der mutmaßliche Täter ist deshalb weiter auf freiem Fuß.

Nach derzeitigen Ermittlungen gibt es mindestens zehn Opfer, meist junge Schwule. Die Polizei vermutet allerdings, dass es noch mehr Betroffene gibt, die sich unter Umständen nicht zur Polizei trauen. So habe der Verdächtige auch damit gedroht, sie als schwul zu outen, erklärt Polizeisprecher Nils Matthiesen gegenüber Radio Bremen.

Betroffene können Strafanzeigen auch über eine spezielle Hotline für Lesben und Schwulen aufgeben: Sven Rottenberg, der Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bei der Polizei Bremen, ist unter +49/1522/296 96 85 oder [email protected] erreichbar.