Samstag, 20. Juli 2024
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Südkorea jagt schwule Soldaten: Mindestens 32 Männer vor Gericht

Höchstrafe für schwule Soldaten in dem asiatischen Land: Zwei Jahre Haft

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Das südkoreanische Militär geht derzeit mit harter Hand gegen schwule Männer in ihren eigenen Reihen vor. Wie der Nachrichtensender CNN berichtet, stehen derzeit mindestens 32 Soldaten vor dem Militärgericht, weil sie schwul sind.

„Ich hatte Angst“, sagt einer der beschuldigten Soldaten

Demnach sagte ein Beschuldigter dem Nachrichtensender, dass er im März von seinen Vorgesetzten aufgesucht wurde: Diese hätten ihm gesagt, dass sein ehemaliger Partner den gemeinsamen Sex schon gestanden hätte. Dann hätten sie ihm sehr persönliche Fragen gestellt, sein Handy beschlagnehmt und der Inhalt kopiert.

„Die Atmosphäre war sehr beklemmend und erniedrigend“, erinnert sich der Mann, der anonym bleiben wollte: „Ich hatte Angst.“ Damit sein Name nicht in seiner Einheit oder der Öffentlichkeit mit den Verfolgungen in Verbindung gebracht wird, willigte er ein, zu kooperieren.

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Das Verteidigungsministerium hält an der Verfolgung fest

Das südkoreanische Verteidigungsministerium wollte den CNN-Bericht nicht kommentieren. Stattdessen verwies es auf eine Stellungnahme vom April. „Um die militärische Gemeinschaft sicher zu halten und aufgrund der speziellen Art militärischer Disziplin werden sexuelle Beziehungen mit Soldaten des gleichen Geschlechts als ‚unehrenhafte Tat‘ nach dem Militärgesetz bestraft“, hieß es damals lapidar.

Im Militär kann einvernehmlicher schwuler Sex mit Haftstrafen von bis zu zwei Jahren bestraft werden. Das betrifft auch Wehrpflichtige. In Südkorea müssen alle männlichen Staatsbürger einen zwei Jahre dauernden Präsenzdienst ableisten. Im Land selbst ist Homosexualität legal, aber gesellschaftlich nicht akzeptiert.

Sechs Monate auf Bewährung für schwulen Sex außerhalb der Dienstzeit

Zur Zeit intensiviert das südkoreanische Militär offenbar die gezielte Verfolgung schwuler Soldaten. Berichten zufolge soll sogar mit Hilfe von Dating-Apps gezielt nach homosexuellen Soldaten gesucht werden. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht mittlerweile schon von einer „schwule Hexenjagd“.

Grund für diese Einschätzung war ein Prozess des Militärgerichts, der im Mai stattgefunden hat: Ein Kapitän der südkoreanischen Armee wurde zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, weil er außerhalb der Dienstzeit und im privaten Umfeld einvernehmlichen Sex mit einem anderen männlichen Soldaten gehabt hatte.

Verfolgung begann mit dem Leak eines Videos, das zwei Soldaten bei schwulem Sex zeigt

Auslöser der aktuellen Verfolgungen war ein Video, das vor einigen Monaten in Sozialen Netzwerken kursierte. Es zeigte zwei männliche Soldaten beim Sex. Seit dem wurden mindestens 32 Soldaten wegen gleichgeschlechtlicher Aktivitäten angeklagt, ergaben Recherchen von Menschenrechtsorganisationen. Auch zu dieser Zahl wollte das südkoreanische Militär keine Stellung nehmen.

Ändern wird sich an den Verfolgungen vermutlich so bald nichts. Staatspräsident Moon Jae-in, der erst im Mai ins Amt gekommen war, hat in einer TV-Debatte gesagt, gegen Homosexualität zu sein. Später ruderte er etwas zurück und meinte, die Gesellschaft sei noch nicht dafür bereit, das Verbot von Homosexualität im Militär aufzuheben.