Verfolgung schwuler Männer in Tschetschenien geht weiter

Aktivisten fordern die Teilnehmer des G-20-Gipfels zum Handeln auf

Gefängnis
Symbolbild - Fotoloa

In Tschetschenien könnte die Verfolgung schwuler Männer wieder aufgenommen worden sein. Entsprechende Informationen soll das russische LGBT-Network bekommen haben. In einer gemeinsamen Presseerklärung anlässlich des G-20-Gipfels im Hamburg fordert das Netzwerk gemeinsam mit der LGBT-Organisation All Out Präsident Wladimir Putin zum Handeln auf.

Nach dem Ramadan geht die Verfolgung weiter

„Personen aus Tschetschenien, die die Hotline des russischen LGBT-Netzwerks kontaktiert haben, berichten, dass die Verhaftungen schwuler Männer wieder aufgenommen wurden. Vor fast 100 Tagen wurden Nachrichten über eine schwulenfeindliche Hetzjagd bekannt. Mehr als 100 Männer wurden gejagt, verhaftet, inhaftiert und gefoltert von staatlichen Behörden, weil geglaubt wurde, dass sie schwul sind. Mindestens sechs wurden ermordet. Andere wurden ihrer Familien übergeben, mehr tot als lebendig, und ihre Wächter ermutigten die Verwandten, Ehrenmorde durchzuführen“, heißt es in der Presseaussendung.

Das russische LGBT-Network und All Out rufen deshalb alle Staatschefs des G20-Gipfels in Hamburg auf, vom russischen Präsidenten Wladimir Putin ein „vollständiges und unverzügliches Ende der Verhaftungen schwuler Männer in Tschetschenien“ zu fordern. Die Staatschefs müssten Druck auf Putin ausüben, um eine „vollständige, unabhängige und unparteiische Untersuchung der bereits stattgefundenen Misshandlungen durchzuführen“, so die Forderung der Organisationen.

Dringender Appell an die Teilnehmer des G20-Gipfels

Doch auch diese scheinen zu stocken: Zunächst wurde von der föderalen Staatsanwaltschaft der Ermittler Igor Sobol eingesetzt, der dafür bekannt ist, sich politischem Druck nicht zu beugen – doch dieser wurde vor kurzem durch einen bequemeren Ermittler ersetzt.

„Meine Kollegen und ich haben mit eigenen Augen die Schmerzen und das Leiden jener gesehen, die den Horror der illegalen Verhaftungen und Folter überlebt haben“, sagt der russische LGBT-Aktivist Igor Koschetkow. Russland scheitere gerade an der Verantwortung, seinen eigenen Bürgern ein Leben in Sicherheit zu garantieren – „und es hat also versagt, jemanden für die entsetzlichen Misshandlungen, die bereits stattgefunden haben, verantwortlich zu machen. Wir rufen die G20-Staatschefs dazu auf, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen und ihren Teil beizutragen, um unschuldige Zivilisten in Tschetschenien zu schützen.“