Haben Forscher zufällig eine Impfung gegen Tripper gefunden?

Ein Wirkstoff gegen Meningitis könnte auch gegen Gonnorhöe wirken, vermuten neuseeländische Forscher

Symbolbild: Spritze
Symbolbild - Fotolia/andreysafonov

Seit mehr als hundert Jahren suchen Wissenschaftler vergeblich nach einer Schutzimpfung gegen Gonorrhöe, umgangssprachlich als „Tripper“ bezeichnet. Nun berichten Forscher, dass eine Impfung, die eigentlich gegen Hirnhautentzündung eingesetzt wurde, künftig vor der Geschlechtskrankheit schützen könnte.

Wer gegen Meningitis B geimpft war, infizierte sich seltener mit Gonorrhöe

Für ihre Studie untersuchte ein Team um Helen Petousis-Harris von der Universität von Auckland in Neuseeland die Daten von 14.000 Menschen: Sie wurden zwischen 2004 und 2006 gegen Meningitis B geimpft. Zu dieser Zeit gab es in Neuseeland eine Epidemie der bakteriellen Hirnhautentzündung. Dabei stellten die Forscher fest, dass es bei den Geimpften um 31 Prozent weniger Gonorrhoe-Fälle gab als bei jenen, die nicht geimpft wurden.

„Das ist das erste Mal, dass ein Impfstoff eine Schutzwirkung gegen Gonorrhöe zeigte“, ist die Forscherin begeistert. Zwar sind Meningitis und Gonorrhöe zwei vollkommen unterschiedliche Krankheiten, ihre Erreger weisen aber einige genetische Übereinstimmungen auf. Warum der Impfstoff gegen den einen Erreger aber auch gegen den anderen wirkt, ist den Forschern aber unklar.

Für belastbare Erkenntnisse sind weitere Forschungen nötig

Inzwischen ist der Impfstoff, der damals verwendet wurde, nicht mehr auf dem Markt. Doch auch neuere Impfstoffe könnten einen ähnlichen Effekt haben, vermuten die neuseeländischen Forscher. Dafür seien dringend weitere Studien nötig.

Gonorrhöe wird durch ungeschützten Sex übertragen und kann zu Harnwegsentzündungen oder Unfruchtbarkeit führen. Zu den Symptomen gehören ein dickflüssiger grünlich-gelber Ausfluss vom Penis und starke Schmerzen beim Urinieren.

Erst vor einigen Tagen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davor gewarnt, dass Gonorrhöe immer schwerer zu bekämpfen ist – der Erreger aus der Gruppe der Neisseria-Bakterien ist gegen immer mehr Antibiotika resistent. Jedes Jahr erkranken 78 Millionen Menschen weltweit an der Geschlechtskrankheit, in Europa sind es 4,7 Millionen. Die Tendenz ist steigend.