„Wie eine Allergie“: Montessori-Schule schmeisst Transgender-Mädchen raus

Direktorin will nicht transphob sein, sondern nur ein Problem mit den Eltern haben

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In Niederösterreich soll eine Montessori-Schule ein Transgender-Mädchen aus der Schule geschmissen haben, weil es als Bub geboren wurde. Das berichtet das Magazin „biber“ in seiner Online-Ausgabe.

Direktorin toleriert „Unehrlichkeit der Eltern“ nicht, obwohl diese mit offenen Karten gespielt haben

So sollte die zehnjährige „Hannah“, wie das Mädchen im Artikel genannt wird, ab Herbst auf die 2012 eröffnete Montessori-Privatschule „mokiwe“ in Brunn/Gebirge in Niederösterreich gehen. Doch das hat nun die Direktorin verboten.

Die Eltern hätten der Schule die „Besonderheit“ ihrer Tochter verschwiegen, begründet die Pädagogin ihre Entscheidung – sie toleriere die „Unehrlichkeit der Eltern“ nicht. Die Schule müsse darüber informiert werden, das sei „wie eine Allergie“, so die Direktorin gegenüber „biber“.

Näher betrachtet hält die Begründung der Direktorin den Fakten nicht stand

Doch diese Begründung hat zwei Haken: Erstens haben die Eltern Ende März bei einen Informationsnachmittag einem Lehrer mitgeteilt, dass Hannah als Bub geboren wurde. Auch der Personenstand wurde dementsprechend geändert. „Der Lehrer hat sich für unsere Offenheit bedankt und betont, dass das nichts ändert, und dass er sich über eine bunte Gruppe freut“, erinnert sich die Mutter im Gespräch mit „biber“.

Und zweitens müssen Transgender-Kinder nach Auskunft des Bildungsministeriums der Schule keine Angaben über die Änderung ihrer Geschlechtsidentität machen – weder bei öffentlichen noch bei privaten Schulen.

Die Schüler vor einem Transgender-Kind nicht „vorzuwarnen“ ist für die Direktorin „fahrlässig“

In der schriftlichen Begründung für die Kündigung heißt es, dass das Verschweigen der Thematik gegenüber den Mitschülern bzw. eine unprofessionelle Beschäftigung mit diesem Thema werde von der Schulleitung gerade bei Kindern dieses Alters als fahrlässig erachtet werde.

Dabei gehen „Hannah“ und ihre Eltern offen mit der Transsexualität des Kindes um. Im Freundes- und Bekanntenkreis weiß man, dass sie als Bursche geboren wurde. Auch die eher konservativen Großeltern haben sich schnell mit dem Gedanken angefreundet, nun eine Enkelin zu haben.

Rechtlich könnte der Rausschmiss eines Transgender-Kindes gedeckt sein

Dass „Hannah“ nicht auf die Montesori-Schule gehen darf, hat für die Schulleitung keine Konsequenzen: Weil es sich um eine Privatschule handelt, kann der niederösterreichische Landesschulrat nichts gegen den Rauswurf machen.

Und dieser könnte auch vor Gericht halten: Bei Privatschulen ist die Auswahl der Schüler nach dem religiösen Bekenntnis und der Sprache sowie die Geschlechtertrennung zulässig. Das heißt, dass zum Beispiel muslimische oder transgender Kinder aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit oder ihrer Geschlechtsidentität von privaten Schulen ausgeschlossen werden könnten.

Doch das ist „Hannah“ jetzt egal. Als sie erfuhr, dass die Schule sie nicht haben wollte, sagte sie einfach: „Die sind aber komisch. Dann will ich aber eh nicht in so eine Schule gehen.“