Drei von vier LGBT-Arbeitnehmern wurden schon diskriminiert

Neue Studie zeigt auf, was betroffene Arbeitnehmer in Deutschland erleben

Symbolbild: Büro
Symbolbild - Fotolia

Drei von vier Lesben, Schwulen, Bisexuellen oder Transgender-Personen mussten bereits Erfahrung mit Diskriminierung am Arbeitsplatz machen. Das geht aus eine Studie des Kölner Instituts für Diversity- und Antidiskriminierungsforschung hervor, berichtet das ZDF.

Jeder Vierte wurde gemobbt, fast jeder Zweite von Kollegen geschnitten

So haben 25 Prozent der Befragten in der Arbeitswelt Erfahrung mit Mobbing und Erpressung gemacht, 39 Prozent mit sexueller Belästigung. Und 40 Prozent der Befragten gaben an, von Kollegen geschnitten worden zu sein, nachdem sie sich am Arbeitsplatz geoutet haben.

2,5 Prozent der Befragten gaben an, wegen ihrer sexuellen Identität versetzt worden zu sein, 3,4 Prozent wurden ihren eigenen Angaben zufolge deshalb sogar gekündigt. Den Verfassern der Studie zufolge ist jede fünfte gemeldete Diskriminierung auch strafrechtlich relevant.

Besonders Transgender-Personen werden besonders oft diskriminiert

Bei Transgender-Personen gibt es besonders viele Diskriminierungserfahrungen: Jede Fünfte gab an, dass etwa Namensschilder oder E-Mail-Signaturen nicht angepasst oder Dokumente nachträglich nicht auf den neuen Namen geändert wurden. Knapp 27 Prozent der transsexuellen Befragten berichten, den Zugang zur Toilette ihrer Wahl verweigert bekommen zu haben.

Doch es gibt Hoffnung: Im Vergleich zu einer ähnlichen Studie aus dem Jahr 2007 gebe es positive Entwicklungen, erklärt Christine Lüders, die Leiterin der die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. In deren Auftrag wurde die Studie durchgeführt. Denn die Zahl der lesbischen und schwulen Beschäftigten, die am Arbeitsplatz offen mit ihrer Homosexualität umgehen, hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Immer mehr Arbeitnehmer outen sich am Arbeitsplatz

So würden mittlerweile etwa die Hälfte der LGBT-Arbeitnehmer offen mit einem Großteil der Kollegen über ihre eigene sexuelle Identität sprechen. Ein knappes Drittel der lesbischen und schwulen Beschäftigten spricht mit allen Kollegen offen darüber, im Jahr 2007 waren es noch 12,7 Prozent. Auch die Zahl derer, die ihre sexuelle Identität in der Firma vollständig oder teilweise geheim halten, ist gesunken – von mehr als der Hälfte auf etwa ein Viertel. Bei Bisexuellen ist dieser Anteil merkbar höher: Von ihnen sprechen 55 Prozent mit keinen oder nur wenigen Kollegen offen über ihre sexuelle Identität. Bei den transsexuellen Beschäftigten liegt diese Zahl mit 69 Prozent sogar noch höher.

„Unternehmen können und sollten das unterstützen, indem sie Diskriminierung sichtbar ahnden und eine offene Unternehmenskultur fördern“, so Lüders zum ZDF. Auch Arbeiter würden davon profitieren, wenn Mitarbeiter offen mit ihrer sexuellen Identität umgehen, ist Dominic Frohn überzeugt. Er hat die Studie wissenschaftlich geleitet. „Je selbstverständlicher die Beschäftigten mit ihrer sexuellen Identität umgehen können, desto höher sind ihre Arbeitszufriedenheit und Verbundenheit mit dem Unternehmen“, meint er.

Offenes Klima am Arbeitsplatz wirkt sich auch positiv auf die Gesundheit von LGBT-Arbeitnehmern aus

Auch gesundheitlich wirkt sich ein offenes Klima positiv auf die Firma und die Mitarbeiter aus. Denn Beschäftigte, die am Arbeitsplatz offen mit ihrer sexuellen Identität umgehen, berichten seltener von psychosomatischen Beschwerden wie Schwindelgefühlen oder Brustschmerzen.

Insgesamt hat das Kölner Institut für Diversity- und Antidiskriminierungsforschung für die Studie knapp 2.900 Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Personen nach ihren Erfahrungen befragt.