[Galerie] Homophobe Hassparolen erschüttern Berlin-Charlottenburg

„Nur für heimliche Homos und Kokser“ auf dem Gehsteig: Jetzt rufen Politiker zu Solidaritätsbesuchen auf

Schmierereien auf dem
Darija Bräuniger/Facebook

Im Berliner Stadtteil Charlottenburg wurden ein Lokal, ein Wagen und der öffentliche Gehsteig in der Nacht auf Mittwoch durch homophobe Schmierereien beschädigt. Leidtragender ist vor allem ein italienisches Lokal in der Schlüterstraße. Die Bezirkspolitik zeigt sich entsetzt. Die Tat findet inmitten der Berliner CSD-Woche statt.

„Gay Only“ und „Nur für heimliche Homos“ wurden auf das Lokal gesprüht

So wurden auf die Fassade des „Mondo Pazzo“ („Verrückte Welt“) mit schwarzer Farbe „Gay Only“ und „Nur für heimliche Homos“ gesprüht. Mit grauer Farbe schrieben die Täter auf eine Fensterscheibe „Nur für Gays“. Auf den Gehsteig sprühten die Unbekannten einen Pfeil, der zum Eingang des Lokals zeigt, und die Worte „Nur für heimliche Homos + Kokser“. Das Auto des Inhabers wurde auf einer Seite mit „Homo“, auf der anderen mit „Tunte“ besprüht.

Und die Täter hatten offenbar nicht nur das italienische Lokal zum Ziel: In der benachbarten Bleibtreustraße wurde mit weißer Farbe vor dem „Filmkunst 66“ der Spruch „Warum sind alle Filmkritiker Gay?“ auf den Gehsteig geschrieben.

Bezirksbürgermeister verurteilt Angriff: Charlottenburg-Wilmersdorf sei „stolz auf seine Vielfalt“

Die Bezirkspolitik regierte prompt. „Charlottenburg-Wilmersdorf ist stolz auf seine Vielfalt der hier lebenden und arbeitenden Menschen“, schrieb der offen schwule Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann von der SPD. Charlottenburg-Wilmersdorf sei stolz auf seine Vielfalt der hier lebenden und arbeitenden Menschen.

Das zeige unter anderem der jährliche Christopher Street Day, der am kommenden Samstag in der City West startet. „Mit Abscheu und Empörung“ habe er „von diesem unsäglichen Angriff“ auf das Lokal und damit dessen Team und Gäste erfahren, so Naumann weiter.

Solidarität mit dem Lokal, „um zu zeigen, dass sich eine offene Gesellschaft nicht einschüchtern lässt“

Demonstrativ besuchte er das „Mondo Pazzo“ am Mittwochnachmittag. Er rief zu Solidarität mit dem italienischen Restaurant und zur „Ächtung dieses homophoben Angriffs“ auf. Ähnlich äußerte sich Darija Bräuniger, Bundestagskandidatin der FDP, die ebenfalls einige Fotos vom Tatort online stellte. Sie rief dazu auf, in dem Restaurant zu essen, „um zu zeigen, dass sich eine offene Gesellschaft nicht einschüchtern lässt, und um einen kleinen Beitrag zu den Reinigungskosten zu leisten“.

Ihre Bilanz zu dem homophoben Anschlag auf das Lokal ist weniger diplomatisch als die des Bezirksbürgermeisters: „Da läuft man gut gelaunt die Straße lang und wird dann unvermittelt daran erinnert, wie Scheiße die Welt sein kann“, so Bräuniger auf Facebook.

Wie bei sämtlichen homo- oder transphoben Straftaten hat der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin die weitere Bearbeitung des Falles übernommen.