München: Polizei klärt nach 27 Jahren Mord an schwulem Mann

Eine erneute Überprüfung der europäischen Datenbanken löste den Fall

Blaulicht
Symbolbild - Archiv

Nach 27 Jahren hat die Münchner Polizei einen Mord an einem schwulen Mann aufgeklärt. Der Täter kann allerdings nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden: Er hat vor drei Jahren Selbstmord begangen.

Erstochen und mit einem Kabel erdrosselt, lag die Leiche zwei Wochen in der Wohnung

Es war am 18. Juni 1990, als der Mord an dem 48 Jahre alten Eberhard K. die Community in der bayerischen Landeshauptstadt erschütterte. Nachbarn öffneten mit dem Zweitschlüssel seine Zweizimmerwohnung in Unterhaching in München, nachdem die Rolläden seit längerem nicht mehr hochgezogen wurde und der Briefkasten des Mannes überquoll.

Dabei entdeckten sie den leblosen Körper von Eberhard K. am Boden: Seine Leiche war mit Messerstichen übersät. Um seinen Hals war ein Elektrokabel gewickelt, er wurde damit erdrosselt. Wie die Gerichtsmediziner später feststellten, lag er etwa zwei Wochen lang tot in seiner eigenen Wohnung.

Im Rahmen der Altfallbearbeitung landete der Mord wieder auf dem Schreibtisch der Münchner Kripo

Die Polizei ermittelte damals im Münchner Strichermillieu, doch ohne Erfolg. Fast drei Jahrzehnte nach der Tat konnte nun der Täter gefunden werden: Wie die Mordkommission des Polizeipräsidiums München am Freitag bekanntgegeben hat, ist ein damals 21 Jahre alter Bosnier für die Tat verantwortlich.

Die Beamten haben sich im Rahmen der Altfallbearbeitung noch einmal den Mord an dem 48-Jährigen angesehen und mit den heute verfügbaren Methoden bearbeitet. Nicht zum ersten Mal: Als die Polizei den Fall im Jahr 2006 zum ersten Mal komplett überarbeitete, konnte ein DNS-Muster des mutmaßlichen Täters erstellt werden. Die Abgleichung mit verschiedenen Datenbanken blieb zunächst ohne Erfolg.

Fingerabdrücke und DNS stimmten mit einem amtsbekannten Bosnier überein

Das hat sich nun geändert: Für die damals sichergestellten Fingerabdrücke gab es diesmal eine Übereinstimmung in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina. Ein DNS-Abgleich sorgte für absolute Sicherheit. Der Mörder von Eberhard K. war identifiziert.

Zur Rechenschaft gezogen kann der Mann allerdings nicht mehr werden: Er hat im März 2014 Selbstmord begangen. Der Mord an dem 48-jährigen Deutschen war nur ein Puzzleteil in seiner kriminellen Karriere: Nach Auskunft der bosnischen Behörden war er Mitglied einer kriminellen Bande. Die dortige  Staatsanwaltschaft klagte ihn unter anderem wegen versuchten Mordes und Brandstiftung an.