Start Politik Europa Bratislava: Regenbogenparade ohne Zwischenfälle

Bratislava: Regenbogenparade ohne Zwischenfälle

Ein deutliches Lebenszeichen der Community - in einem Land, in dem es noch keine Eingetragenen Partnerschaften gibt

Dúhový Pride
Dúhový Pride/Facebook

Mehrere hunderte Menschen nahmen am Samstag in Bratislava an der Dúhový Pride teil, der slowakischen Version der Regenbogenparade. Sie fand bereits zum siebenten Mal statt.

Eine kleine, aber kraftvolle Gruppe demonstrierte für gleiche Rechte

Vom schlechten Wetter ließen sich die Demonstranten für gleiche Rechte nicht abschrecken: Etwa zweihindert Teilnehmer marschierten mit Regenbogenfahnen durch das historische Zentrum der slowakischen Hauptstadt.

Kurz nach 13.00 Uhr begann die zentrale Veranstaltung auf dem gesperrten und abgesicherten Hviezdoslav-Platz, der bekannten Promenade im Zentrum der Innenstadt. Bevor die Teilnehmer auf den Platz gelassen wurden, mussten sie durch eine Sicherheitskontrolle. Langsam füllte sich auch der Platz. Unter den Demonstranten waren auch extra angereiste Teilnehmer aus Österreich.

Rechtspopulisten: Regenbogenflagge „polarisiert die Gesellschaft“

Im Vorfeld der Pressburger Regenbogenparade gab es einen politischen Streit: Die Bürgerrechts-Beauftragte Mária Patakyová hatte an ihrem Amtssitz die Regenbogenfahne hissen lassen. Daraufhin wurde sie von der rechtspopulistischen Slowakischen Nationalpartei (SNS) aufgefordert, die Fahne abzuhängen um „die Gesellschaft nicht zu polarisieren”. Die SNS ist Koalitionspartner des sozialdemokratischen Regierungschefs Robert Fico.

Auf der Schlussveranstaltung sprach sich Patakyová dafür aus, schwule und lesbische Paare rechtlich anzuerkennen. Das ist in der Slowakei, anders als in den Nachbarländern Tschechien und Österreich, nicht möglich. „Ich bin überzeugt, dass die Slowakei wertemäßig zu Europa gehört und daher die Grundrechte und Freiheiten aller Paare schützen sollte“, so die Bürgerrechts-Beauftragte.

Unter den Rednern war auch der evangelische Theologe und Priester Ondrej Prostredník: „Ich bin gekommen, weil ich es für wichtig halte und sehe keinen Grund, warum ich es nicht unterstützen sollte“, sagte er. „Ich komme für jene Christen, die nicht die Ansicht der Kirchen teilen, die man meistens als offizielle Sicht hört und LGBTi-feindlich sind. Es gibt einige Menschen in den Kirchen, die die Forderungen der LGBTI-Gemeinschaft unterstützten. Aber sie entschließen sich oft, sich ruhig zu verhalten“, so der Theologe.

Auch Gegendemonstration zur Dúhový Pride verlief friedlich

Auch dieses Jahr gab es eine Gegenveranstaltung zur Dúhový Pride: Etwa zweihundert Menschen versammelten sich unter dem Motto „Stolz auf die Familie“. Die Polizei verhinderte Zusammenstöße zwischen den Gruppen.

Wenn es um Rechte für sexuelle Minderheiten geht, ist die Slowakei innerhalb der EU auf den hinteren Plätzen zu finden. Im Mai 2014 hatte das Parlament eine Verfassungsänderung verabschiedet, die gleichgeschlechtliche Ehen verbietet.

Anfang 2015 war ein von der katholischen Kirche unterstütztes Referendum gegen Homo-Rechte nur an der zu geringen Wahlbeteiligung gescheitert. Von den Abstimmenden stimmten 90 Prozent unter anderem für ein Verbot der Adoption und Erziehung von Kindern durch schwule und lesbische Paare.