Deutschland: 15-Jähriger ersticht Mann aus Homophobie

Als die Spitze des Messers abbrach, ging der Jugendliche in die Küche und holte zwei weitere Messer

Polizei
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Die Staatsanwaltschaft Ulm hat gegen einen 16-Jährigen Anklage wegen Mordes, versuchten Mordes, Raub und Brandstiftung erhoben, berichtet der Südwestrundfunk (SWR). Er soll aus Homophobie im Mai einen 64-jährigen Mann umgebracht haben. Für den Burschen gilt die Unschuldsvermutung.

Mann sprach den Jugendlichen am Hauptbahnhof an

Der Anklage zufolge hat der damals 15-Jährige am 23. Mai sein späteres Opfer in der Nähe des Ulmer Hauptbahnhofs angesprochen. Er wollte von dem Mann Zigaretten, etwas zu trinken und einen Schlafplatz. Der 64-Jährige nahm den Jugendlichen mit.

In dessen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in der Schillerstraße angekommen, bat der 64-Jährige den Burschen, ihm ins Schlafzimmer zu folgen, um miteinander Sex zu haben. Das geschah, betont die Staatsanwaltschaft, „einmalig und ohne Nachdruck“.

Statt den Sex abzulehnen, ging er mit einem Messer ins Schlafzimmer

Doch der Bursche ging daraufhin in die Küche und holte ein Messer, bevor er ins Schlafzimmer ging. Dort stach er der Anklage zufolge immer wieder auf sein argloses Opfer ein. Als das Messer abbrach, soll er zwei weitere geholt haben. Der damals 15-Jährige habe so lange auf den Mann eingestochen, bis er verblutete.

Anschließend machte sich der mutmaßliche Täter sauber und suchte die Wohnung nach Wertgegenständen ab. Dabei fand er eine Digitalkamera und etwas Bargeld, die er auch mitgenommen haben soll. Anschließend soll er das Sofa und Kleidungsstücke des Mannes angezündet haben, um seine Spuren zu verwischen.

Zum Zeitpunkt der Tat waren noch sechs weitere Menschen im Gebäude. Wie durch ein Wunder wurde bei dem Brand niemand verletzt. Die Feuerwehr konnte verhindern, dass sich das Feuer und die tödlichen Rauchgase auf das übrige Wohngebäude ausbreiteten.

Motiv für den grausamen Mord: „Abneigung und Verachtung Homosexuellen gegenüber“

Das Motiv für den Mord ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Ulm Homophobie: Der Jugendliche soll „aus Abneigung und Verachtung Homosexuellen gegenüber“ gehandelt haben. Der Jugendliche hat die Tat weitgehend gestanden und auch Homophobie als Tatmotiv zugegeben, so die Staatsanwalt. Sie wertet das als niederen Beweggrund, der strafverschärfend wirkt.

Dem heute 16-Jährigen werden noch weitere Taten zur Last gelegt: So soll er bereits zuvor ein Wohnhaus angezündet haben. Dabei kamen ebenfalls keine Bewohner zu Schaden. Um seine Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt besser beurteilen zu können, hat die Staatsanwaltschaft ein psychiatrisches Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben. Dem 16-Jährigen drohen, weil er minderjährig ist, zehn Jahre Haft.