Deutschland: Apotheker ermöglicht PrEP um 50 Euro

Durch Neuverpackung entsteht ein neues Medikament - das viel günstiger ist

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Schon bald ist in Deutschland die Präexpositionsprophylaxe (PrEP), die vor einer HIV-Infektion schützt, um etwa 50 Euro im Monat verfügbar. Möglich macht das die Initiative eines Kölner Apothekers, berichtet die Deutsche Aids-Hilfe (DAH). Derzeit gibt es die Tabletten allerdings nur in wenigen Apotheken und auf ärztliche Verschreibung.

Rechtlich neues Medikament zur HIV-Prävention kostet Bruchteil von dem, das die Kasse zur Behandlung zahlt

Erik Tenberken von der Birken-Apotheke macht sich dabei einen kleinen Trick zunutze: Er kauft das Medikament des Generika-Herstellers Hexal, das für die HIV-Therapie und auch für die PrEP zugelassen ist, zum Vorzugspreis und verpackt es neu in Blister.

Dadurch entsteht rechtlich ein neues Präparat, das nur für die PrEP zugelassen ist. Deshalb kann Tenberken 28 Tabletten für leistbare 51 Euro anbieten. Für die HIV-Therapie, die von den Krankenkassen bezahlt wird, kostet das gleiche Generikum nach wie vor in Deutschland rund 600 Euro.

Die PrEP gibt es trotzdem nur auf ärztliches Rezept und mit Beratungsgespräch

Tenberken hat seinen Plan am Samstag in Köln auf der Jahrestagung der niedergelassenen HIV-Schwerpunktärzte in Deutschland (dagnä) präsentiert. Starten soll die Aktion noch im September. Notwendig ist dafür eine ärztliche Verschreibung. Darauf muss ein Text wie „28 Filmtabletten Emtricitabin/Tenofovir-Disoproxil zur Verblisterung für die PrEP“ stehen. Dann muss eine Kopie des Rezepts an die Birken-Apotheke geschickt werden. Die Tabletten werden dann an eine Partnerapotheke geschickt, dort bekommt sie der Kunde nach einem Beratungsgespräch gegen Vorlage des Originalrezepts.

Im Gespräch mit der Deutschen AIDS-Hilfe wies Tenberken darauf hin, dass der niedrige Preis prinzipiell nicht ungewöhnlich sei. Er habe ihn durch beharrliches Verhandeln erreicht und gebe im Prinzip nur den Rabatt weiter, den der Hersteller ihm gewähre. Dieser Weg stehe auch anderen Akteuren offen.

Auch andere Apotheken beteiligen sich an der Aktion

Die preisgünstigen PrEP-Medikamente gibt es außer in Köln auch voraussichtlich in Partnerapotheken in sechs anderen Städten: In Düsseldorf  in der Albert-Schweitzer-Apotheke, in Hannover in der Leibniz-Apotheke, in Hamburg  in der Alexander-Apotheke, in Berlin in der Witzleben-Apotheke und der Apotheke in der Axel-Springer-Passage, in München in der Marien-Apotheke sowie in Frankfurt am Main in der Eichwald-Apotheke. Nach und nach könnten auch andere Apotheken dazukommen.

Die DAH bezeichnet die 50-Euro-PrEP als „Durchbruch“: „Sie verschafft Menschen endlich Zugang zur Prophylaxe, die sie dringend brauchen. Die Lösung ist dieses Modell aber noch nicht: Zum einen ist die PrEP nicht überall verfügbar, zum anderen können sich auch 50 Euro nicht alle Menschen leisten. Wir brauchen einen flächendeckenden, über die Krankenkassen finanzierten Zugang zur HIV–Prophylaxe“, so  Vorstandsmitglied Ulf Hentschke-Kristal.

In Deutschland könnte die PrEP bis 2030 rund 9.000 HIV-Infektionen verhindern

Mit der Finanzierung der PrEP würde die Krankenkasse in Deutschland Kosten sparen, geht aus einer aktuellen Studie hervor: So könnten in Deutschland bis zum Jahr 2030 rund 9.000 HIV-Infektionen verhindert werden – und mit ihnen Therapiekosten, Arbeitsausfälle und Folgeerkrankungen.

„Deutschland muss die enormen Chancen der PrEP endlich ergreifen, statt die Risiken einer Anwendung im Graubereich in Kauf zu nehmen“, betont Hentschke-Kristal. „Ein regulärer Zugang würde auch die ärztliche Begleitung absichern.“