Schwule verdienen weniger als Heteros, Lesben mehr

Viele homo- und bisexuelle Männer werden zu Opfern der "Sexuality Pay Gap"

Symbolbild: Büro
Symbolbild - Fotolia

Schwule und bisexuelle Männer verdienen in Deutschland deutlich weniger als heterosexuelle Männer, lesbische und bisexuelle Frauen allerdings deutlich mehr. Das geht aus dem aktuellen Wochenberichts des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Sie befragten im Rahmen des Sozioökonomischen Panels (SOEP) Teilnehmer erstmals konkret nach ihrer sexuellen Orientierung.

Homo- und bisexuelle Männer verdienen zwölf Prozent weniger

Demnach verdienen homo- und bisexuelle Männer im Schnitt zwölf Prozent weniger. Sie kommen auf einen Bruttostundenlohn von 16 Euro, während heterosexuelle Männer durchschnittlich 18,14 Euro verdienen. Bei Frauen ist die Lage umgekehrt: Hier verdienen Heteras pro Stunde 14,40 Euro, lesbische und bisexuelle Frauen kommen auf 16,44 Euro durchschnittlich.

„Befragte, die sich als Lesben, Schwule oder Bisexuelle identifizieren, haben im Schnitt eine etwas höhere Schulbildung als heterosexuelle Befragte“, heißt es im DIW-Bericht. Rechne man dies mit ein, steige die Gehaltslücke zwischen schwulen und bisexuellen Männern und ihren heterosexuellen Geschlechtsgenossen sogar noch weiter an.

Auch, wenn man verschiedene Gründe herausrechnet, bleibt der Lohnunterschied bestehen

Homo- und bisexuelle Männer sind dem Bericht zufolge häufiger als Angestellte beschäftigt und seltener als Arbeiter. Auch haben sie dreimal seltener eine Beamtenposition und arbeiten seltener in der Produktion. Außerdem leisten sie mehr Überstunden.

Auch wenn man berücksichtigt, dass die Befragten in verschiedenen Positionen und Branchen arbeiten und unterschiedlich viel Berufserfahrung haben, blieben bei den Männern noch Unterschiede bestehen. Die Stundenlöhne lesbischer und bisexueller Frauen unterscheiden sich laut DIW bei Berücksichtigung dieser Faktoren kaum noch von denen heterosexueller Frauen.

„Neben dem vielfach dokumentierten ‚Gender Pay Gap‘, also einer Benachteiligung von Frauen bei Löhnen, zeigen die Daten somit auch einen ‚Sexuality Pay Gap‘, der in bedeutsamem Umfang homo- und bisexuelle Männer betrifft“, so die Schlussfolgerung der Autoren.

LSVD sieht „Forschungs-, Klärungs- und Handlungsbedarf“

Der deutsche Lesben- und Schwulenverband sieht in diesen Ergebnissen „Forschungs-, Klärungs- und Handlungsbedarf“. „Gruppenspezifisch aufgeschlüsselte demografische Daten zur Bildungs-, Einkommens-, Gesundheits- und Lebenssituation sollten dabei nach den Grundsätzen des Datenschutzes, der Freiwilligkeit und der Selbstidentifikation erhoben werden“, so Jenny Renner vom LSVD.

Beim SOEP wurden die anonymisierten Daten einer befragten Person dann der Gruppe der Lesben, Schwulen und Bisexuellen zugeordnet, wenn die Person zwischen 2010 und 2016 in mindestens einem Jahr einen gleichgeschlechtlichen Partner hatte. Außerdem wurde 2016 zum ersten Mal in den Fragebogen direkt nach der sexuellen Orientierung gefragt.