Sansibar: 20 Teilnehmer an Aids-Workshop wegen Homosexualität verhaftet

Regierung auf der Insel geht verstärkt gegen sexuelle Minderheiten vor

Gefängnis
Symbolbild - Fotoloa

In Sansibar, einer mehrheitlich von Muslimen bewohnten Insel Tansanias, hat die Polizei am Freitag 20 Teilnehmer eines Workshops wegen angeblicher Homosexualität festgenommen. Den Betroffenen drohen bis zu 25 Jahre Haft.

Polizeichef will Schwule „jagen und vor Gericht bringen“

Polizeikommandeur Hassan Ali Nasri erklärte, die Exekutive in Sansibar wolle Lesben und Schwule „jagen und vor Gericht bringen“. Und damit meint sie es ernst, wie die Verhaftung von 20 Teilnehmern eines Aidshilfe-Seminars in einem Hotel zeigt. Mittlerweile seien die zwölf Frauen und acht Männer auf Kaution freigekommen, erklärte Nasri.

„Wir haben sie festgenommen, weil wir sie verdächtigen, sich an homosexuellen Handlungen in Sansibar beteiligt zu haben, was illegal in Sansibar ist und gegen das Gesetz des Landes verstößt“, erklärt der Polizeichef weiter. Man werde die Wachsamkeit gegenüber „diesen Gruppen“ verstärken.

Lesben, Schwule und Trans-Personen werden vermehrt zur Zielscheibe der Behörden

Zwar ist Homosexualität in ganz Tansania seit den Zeiten des Kolonialismus illegal, in der Regel werden Lesben und Schwule aber nicht verfolgt. Doch das hat sich in der letzten Zeit geändert: Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) sind Homosexuelle vermehrt zum Ziel der Behörden geworden. Die Regierung in Daressalam geht seit dem vergangenen Jahr auch verstärkt gegen Projekte und Initiativen zur HIV-Prävention vor, berichtet der Deutschlandfunk.

Das trifft besonders auf Sansibar zu: Die beliebte Urlaubsinsel im Indischen Ozean gilt als gesellschaftlich konservativer als das Festland. Sie ist teilautonom und hat eigene Gesetze. Seit April 2004 drohen deshalb in Sansibar Männern für gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehr 25 Jahre Haft, Frauen sieben Jahre. Islamische Gruppen haben Druck für eine Verschärfung gemacht.