„Schwulenporno-Islamist“ zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt

Der Angeklagte ist auch Mitglied des Pastoralrats der spanischen katholischen Gemeinde

Justitia
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Am Landgericht Düsseldorf wurde ein 52-jähriger Darsteller in Amateur-Schwulenpornos wegen versuchten Geheimnisverrats zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Er hatte in seiner Tätigkeit als Ermittler des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) einem vermeintlichen Islamisten Informationen über Einsätze verraten. Sein Motiv: Langeweile.

Während er auf seinen behinderten Sohn aufpasst, taucht Roque M. im Netz in andere Welten ein

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Roque M. sich auf Facebook mit wechselnden Identitäten als rechtsradikal oder Islamist ausgab. „Das Ganze hat sich zu Hause auf dem Sofa abgespielt, während ich auf meinen schwerbehinderten Sohn aufgepasst habe“, erklärte der Mann.

Auch sein Angebot zu einem konspirativen Treffen unter der Dusche eines Fitnessstudios, damit man nicht abgehört werden könne, sei nur ein Spaß gewesen, eine „Flucht aus der Realität“, beteuert er. „Es gibt niemanden, der das Ganze mehr bereut als ich“, so der 52-Jährige, der vor Gericht ein Geständnis ablegte.

Richter kann keine ernsthafte Absicht des Angeklagten erkennen, einen Anschlag zu begehen

Das Gericht konnte diese Argumentation nachvollziehen: Für den Richter hat sich in der Hauptverhandlung keine ernsthafte Absicht des Angeklagten nachweisen lassen, einen Anschlag zu begehen oder sich einer dschihadistischen Gruppierung in Syrien anzuschließen. Deshalb blieb es bei  seinem Urteil auch hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die eineinhalb Jahre Haft forderte.

Langeweile war auch der Grund, warum Roque M., der im spanischen Almera geboren wurde und in Deutschland aufgewachsen ist, zum Verfassungsschutz ging, nach mehr als 30 Jahren bei einer Volksbank in einer Stadt am Niederrhein. Während einer Midlife Crisis sei er auf 2014 eine Zeitungsanzeige gestoßen, mit der das Bundesamt für Verfassungsschutz Quereinsteiger suchte.

Bei der Durchsuchung der Wohnung fanden die Ermittler Schwulenpornos mit dem Angeklagten

Als der Fall ans Licht kam, fürchtete der Verfassungsschutz, dass er unbemerkt einen Maulwurf in den eigenen Reihen hatte. Die Ermittler hatten angenommen, dass Roque M. unbemerkt zum Islam konvertiert und sich radikalisiert hatte. So ermunterte er unter einer falschen Identität einen mutmaßlichen Islamisten zu einem Anschlag auf die Zentrale des Verfassungsschutzes in Köln.

Der Islamist war aber in Wirklichkeit ein Kollege. Als Ermittler nach seiner Festnahme die Wohnung des 52-Jährigen durchsuchten, stießen sie auf Schwulenpornos, in denen Roque M., ein Mitglied des Pastoralrats der spanischen katholischen Gemeinde, als Darsteller agiert. Warum der Vater von vier Kindern dabei mitgemacht hat? Aus Langeweile.