Bayern: Michael Adam zieht sich aus der Politik zurück

Der offen schwule Landrat stellt sich am Sonntag nicht mehr der Wiederwahl

Michael Adam
Michael Adam/SPD

Am Sonntag wählt Deutschland nicht nur einen neuen Bundestag. Im Landkreis Regen im Bayerischen Wald entscheiden die Wahlberechtigten auch über einen neuen Landrat. Der offen schwule Landrat Michael Adam tritt nicht mehr an – er möchte sich nun stärker seinem Studium widmen.

Jung, evangelisch und schwul: Der Mann, der trotzdem Karriere im Bayerischen Wald machte

Der politische Stern von Michael Adam ging im Jahr 2008 auf, als er mit 23 Jahren Bürgermeister von Bodenmais wurde – der jüngste in Deutschland. „Ich bin alles, was man in Bodenmais nicht sein darf – jung, evangelisch und offen schwul“, sagte er damals mit einem Augenzwinkern.

Drei Jahre später wurde er Landrat in Regen, ebenfalls der jüngste in Deutschland. Diese Funktion entspricht etwa einem Bezirkshauptmann in Österreich, wird aber von der Bevölkerung gewählt.

Er zieht sich aus der Lokalpolitik zurück und möchte in Passau Staatswissenschaften studieren

Nun ist Michael Adam 32 Jahre alt – und zieht sich vorläufig aus der Politik zurück. In einem Alter, in dem andere ihre Parteikarriere erst richtig beginnen, tritt er kürzer: Er möchte in Passau ein Studium der Staatswissenschaften absolvieren.

Doch die politische Karriere des einstigen Hoffnungsträgers der bayerischen SPD verlief nicht immer glatt. Als Landrat hätte er mit drei Männern Sex in den Amtsräumen gehabt, musste Adam im November 2013 gegenüber dem Bayerischen Rundfunk zugeben.

Ein Sex-Skandal brachte den Landrat 2013 ins Wanken

Zuvor hatte er auch als Bürgermeister von Bodenmais ebenfalls mit drei Männern Sex im Rathaus. Dabei hatte er auch Poppers konsumiert, dessen Verkauf in Deutschland verboten ist. „Sex im Amtszimmer ist eine klare moralische Verfehlung. Rechtlich ist daran aber nichts zu beanstanden“, so der Politiker.

Zuvor gab der SPD-Politiker für die Bundestagswahl die Empfehlung ab, CSU zu wählen – weil die Führung der SPD Bayern ein „verheerendes Bild“ abgebe und er die Spitzenkandidaten „persönlich für nicht wählbar“ halte.

In einem offenen Brief räumte Michael Adam ein, ein Alkoholproblem zu haben

Im Oktober 2016 räumte Michael Adam in einem offenen Brief ein Alkoholproblem ein. „Stress, kaum freie Abende oder Wochenenden, wenig Urlaub, wenig Schlaf“ kennzeichneten sein Leben als Kommunalpolitiker. Erst während einer Kur im Schwarzwald realisierte er, in welchem „unglaublichen Tempo“ sein Leben in den vergangenen Jahren verlaufen sei.

Das möchte Michael Adam nun nachholen. Um seine Nachfolge bewerben sich Stefan Ebner von der CSU, Rita Röhrl von der SPD, Jens Schlüter von den Grünen und Johann Müller von der AfD.