„Ehe für alle“ in Deutschland funktioniert technisch (fast) ohne Probleme

Ein Ehepartner muss mit einem falschen Geschlecht im Eheregister geführt werden

Symbolbild: Schwules Ehepaar
Symbolbild - Fotolia

Am 1. Oktober öffnet Deutschland die Ehe für schwule und lesbische Paare. Die Standesbeamten sind bereits darauf vorbereitet –  bei ihrer Software und der konkreten Gesetzeslage ist die Sache offenbar komplizierter.

Eheurkunden werden korrekt ausgestellt

Denn das Programm „AutiSta“, das die Standesämter in ganz Deutschland nutzen, war nicht für gleichgeschlechtliche Ehepaare programmiert. Wie der Südwestrundfunk (SWR) berichtet, soll allerdings ein Update rechtzeitig zur Verfügung stehen. Es beinhaltet die nötigen Formularänderungen für die Anmeldungen und auch Eheurkunden.

Doch ganz vertrauen möchte man dem Update im Südwesten nicht: Weil man die Software noch testen wolle, werden in Freiburg erst ab dem 4. Oktober gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen oder bestehende Partnerschaften angenommen. In Mannheim wurden zur Sicherheit für den 2. Oktober erst Termine ab 11 Uhr angenommen.

Eheregister kennen nur „Ehemann“ und „Ehefrau“

Nicht gelöst ist allerdings ein anderes Problem der Standesämter: In den Eheregistern kann die gleichgeschlechtliche Ehe derzeit nicht richtig erfasst werden. Gerhard Bangert vom Bundesverband der deutschen Standesbeamten spricht von einem Versäumnis im Gesetzgebungsverfahren.

Nötig sei eine weitere Gesetzesänderung, die frühestens im nächsten Jahr in Kraft treten könne. Bis dahin gibt es dort nur die bisherigen Einträge „Ehemann“ und „Ehefrau“. Das heißt, bei gleichgeschlechtlichen Paaren wird einer der beiden zunächst an falscher Stelle einsortiert.

Offizieller Termin für die erste Trauung am Standesamt Berlin-Schöneberg

Einen großen Ansturm schwuler und lesbischer Paare auf die Ehe werde es ersten Erhebungen zufolge nicht geben. Die meisten Anfragen in den Standesämtern betreffen die Umwandlung bestehender Lebenspartnerschaften in Ehen. Das geschieht in einigen deutschen Bundesländern kostenlos.

Die erste gleichgeschlechtliche Ehe wird vermutlich am 1. Oktober um 9.30 Uhr auf dem Standesamt in Berlin-Schöneberg geschlossen. Das Standesamt, Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und der Berliner Lesben- und Schwulenverband haben dazu eingeladen.

Auch Pioniere der LGBT-Bewegung wollen am 1. Oktober heiraten

Ebenfalls am Sonntag heiraten wollen Reinhard Lüschow und Heinz-Friedrich Harre aus Hannover. Sie waren am 1. August 2001 auch das erste Paar in Deutschland, das eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft begründete.

Das Standesamt in Hannover richtet deswegen einen Sonderservice ein. Ausnahmsweise werden die beiden Männer am Sonntag getraut – jenem Tag, an dem das „Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“ in Kraft tritt. Ihnen werden hoffentlich viele weitere schwule und lesbische Paare folgen.