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Hugh Grant und Ben Whishaw als schwules Paar vor der Kamera

„A Very English Scandal“ erzählt die wahre Geschichte eines schwulen Politikers und von seinem erzwungenen Outing

Hugh Grant und Ben Whishaw
Sony Entertainment/BBC

In London haben die Dreharbeiten zu einer BBC-Dreiteiler begonnen, die auf einer wahren Begebenheit beruht. In „A Very English Scandal“ geht es um die Geschichte von Jeremy Thorpe, Parteichef der Liberalen, dessen politische Karriere zu Ende ist, als er Anfang der 1970er von einem ehemaligen Liebhaber als schwul geoutet wird.

Die Rolle des Spitzenpolitikers hat der bekannte Schauspieler Hugh Grant übernommen. Seinen Ex-Lover Norman Scott spielt der offen schwule Ben Whishaw, der unter anderem in „Das Parfum“ mitgespielt hat und als aktueller „Q“ in den James-Bond-Filmen große Popularität erreicht.

Zwar waren homosexuelle Handlungen in England und Wales seit 1967 zumindest teilweise entkriminalisiert – doch Homosexualität hatte immer noch etwas Anzügliches und Verwerfliches. Das war ein Risiko für Thorpe, der als Vorsitzender der Liberalen gerade auf dem Weg in die Regierung war.

Denn Scott erpresste ihn damit, mit Details über ihre geheime Beziehung an die Öffentlichkeit zu gehen, die sie in den 1960er-Jahren hatten – zu einer Zeit, als schwuler Sex in England noch illegal war und es kaum keine offen schwul lebende Männer in der Öffentlichkeit gab.

Der Versuch von Thorpe, das Geheimnis zu bewahren, scheitert. Im Jahr 1971 outet der ehemalige Liebhaber den Spitzenpolitiker schließlich. Thorpe bestritt die Vorwürfe, und kam mit einem blauen Auge davon. Eine Untersuchungskommission innerhalb der Liberalen sprach ihn frei – doch Scott blieb bei seinen Behauptungen.

Doch richtig schmutzig wird die Geschichte erst fünf Jahre nach dem Zwangsouting: Im Oktober 1976 wurde Scott von einem Bekannten mit einer Schusswaffe bedroht. Dabei wird sein Hund erschossen. Im anschließenden Gerichtsverfahren behauptete Scott, er sei nur deswegen noch am Leben, weil die Waffe eine Ladehemmung gehabt habe.

Während der öffentlichen Gerichtsverhandlung wiederholte Scott seine Aussagen bezüglich des Verhältnisses mit Thorpe und gab anzügliche Briefe, die angeblich von Thorpe stammten, an die Presse weiter. Der Politiker muss als Vorsitzender der Liberalen zurücktreten – und als der Angeklagte behauptet, von Thorpe angestiftet worden zu sein, landet dieser schließlich sogar wegen Mordversuchs vor Gericht.

Dass Hugh Grant die Rolle des Jeremy Thorpe angenommen kann, gilt als kleine Sensation: Denn der Schauspieler, der einst mit Filmen wie „Notting Hill“ oder „Bridget Jones“ berühmt geworden ist, hat sich in den letzten Jahren weitgehend aus der Schauspielerei zurückgezogen.

Wann die BBC „A Very English Scandal“ ausstrahlt, steht noch nicht fest. Basis der Serie ist das gleichnamige Buch, das 2016 erschienen ist. Geschrieben wurde der Dreiteiler von Russell T Davies, der 1999 mit der britischen Version von „Queer as Folk“ Fernsehgeschichte schrieb.. Regie wird Stephen Frears führen, der 1985 mit „Mein wunderbarer Waschsalon“ seinen internationalen Durchbruch feierte und sich drei Jahre später mit „Gefährliche Liebschaften“ auch in Hollywood etablierte.