Caitlyn Jenner über Donald Trump: „Ich hätte mir mehr erwartet“

Zwei Jahre nach ihrem Coming Out als Transgenderin zieht die TV-Persönlichkeit Bilanz

Caitlyn Jenner
E! Entertainment

Vor zwei Jahren hat sich Caitlyn Jenner als transgender geoutet. Gegenüber der deutschen Bild-Zeitung hat sie nun offen über diese Zeit gesprochen. „Mein Leben war jahrelang sehr kompliziert. Heute – obwohl es jetzt länger dauert mich morgens fertigzumachen – ist mein Leben so einfach“, fasst sie die Zeit nach ihrem Coming Out zusammen.

Geschlechtsanpassung brachte ihrem Leben einen neuen Sinn

Durch ihre Geschlechtsanpassung habe sie wieder einen Lebenssinn gefunden: „Ich hatte viele Phasen, vor allem in den 80er Jahren, in denen ich jede Hoffnung verloren hatte. Mir war der nächste Tag egal. Ich habe gerade so existiert. Ich fühlte mich nicht zugehörig – weder den Männern, noch den Frauen“, erinnert sie sich. Das ist jetzt anders: „Jetzt bin ich 67 und konnte mein Leben auffrischen, habe wieder einen Grund morgens aufzustehen.“

Als Bruce Jenner hat Caitlyn zehn Kinder großgezogen. Auch hier ist sie heute selbstkritisch: „Es gab auch Zeiten, da war ich kein guter Elternteil, weil ich gelitten habe. Und dann lebte ich wieder allein, mit 63 Jahren, in Malibu und fragte mich wieder: ‚Was mache ich aus meinem Leben?‘ Die Kinder waren groß, es ging also um mich. Und so konnte ich mich outen“, erinnert sie sich.

Von Donald Trump als Präsident ist sie enttäuscht – zumindest bei Transgender-Themen

Doch Caitlyn Jenner ist nun auch ein politischerer Mensch. „Weil ich mich auch politisch mit dem Thema beschäftige, denke ich noch viel über geschlechtsbezogene Fragen nach“, erklärt sie der deutschen Boulevardzeitung. Und spart dabei nicht mit Kritik an Donald Trump. Der US-Präsident. „Ich hatte mir, was Transgender-Probleme angeht, mehr von ihm erhofft“, gibt sie selbstkritisch zu.

So schien Trump zunächst durchaus pragmatisch bei diesem Thema: Als im Wahlkampf das Land darüber diskutierte, ob Transgender auf die Toiletten ihres gewählten Geschlechts gehen dürften, meinte der damalige Präsidentschaftskandidat, Caitlyn Jenner könne in seinen Gebäuden jede Toilette benutzen, die sie wolle. Das tat sie auch: Ein Video, auf dem sie zeigt, wie sie im Trump Tower auf die Damentoilette geht, wurde zum Viral-Hit.

Doch Trumps Einstellung hat sich dann geändert. „Als er Präsident wurde, hat er Rückschritte gemacht, was Gleichberechtigung von Schulkindern angeht. Auch beim Militär – es gibt Transgender beim Militär seit dem Beginn des Militärs. Lange Zeit mussten Transgender das für sich behalten. Obama hatte das geändert, Trump hat wieder Schritte rückwärts eingeleitet. Das sind massive Rückschritte für die Community“, kritisiert sie Trump. Jenner, bekennende Republikanerin gibt zu, dass bei LGBT-Rechten „die Republikaner nicht so gut sind wie die Demokraten“.

„Ich lebe das Idealszenario: Olympiasieger im Zehnkampf und ‚Glamourous Woman’ des Jahres“

Mit ihrer Vergangenheit als Mann hat Caitlyn Jenner ihren Frieden gefunden – immerhin hat sie als Bruce Jenner bei den Olympischen Spielen 1976 die Goldmedaille im Zehnkampf gewonnen und hielt den Zehnkampf-Weltrekord: „Ich bin stolz auf mein Leben. Ich lebe das Idealszenario: Olympiasieger im Zehnkampf und ‚Glamourous Woman’ des Jahres. Komm’ schon, wenn ich dir ein High Five geben könnte, würde ich es jetzt tun. Auch, wenn es sich jetzt nur um Caitlyn dreht, bin ich auch sehr stolz auf Bruce.“