Marokko: Menschenrechts-Minister nennt Homosexuelle „Abschaum“

Es ist nicht der erste homophobe Ausrutscher von Mustafa Ramid.

Mustafa Ramid
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Starker Kritik sieht sich derzeit der marokkanische Minister für Menschenrechte, Mustafa Ramid, ausgesetzt. Er bezeichnete Homosexuelle letztes Monat als „Abschaum“ – und weigert sich, diese Bezeichnung zurückzunehmen. Das berichtet das britische Portal PinkNews.

„Es ist eine Schande, dass Homosexualität nun etwas wert ist“

So bat ein Journalist den 58-Jährigen Ende September nach einer Anti-Folter-Konferenz um eine Stellungnahme, wie Homosexuelle in Marokko behandelt würden. Ramid antwortete für einen Menschenrechts-Minister recht ungewöhnlich: „Warum fragen sie mich auch über Homosexualität?“, schnauzte er den Journalisten an. „Das ist zu viel. Zu viel. Es ist eine Schande, dass Homosexualität nun etwas wert ist. Warum fragt mich jeder danach?“

Dann sagte Mustafa Ramid: „Hören sie, wir sind in Marokko. Wenn wir weiter darüber sprechen, geben wir diesen Leuten einen Wert.“ Dann bedachte er Homosexuelle mit dem arabischen Schimpfwort „Awsakh“, das man mit Müll, Dreck oder Abschaum übersetzen könnte.

Menschenrechtler kritisieren den Minister für seine Aussage scharf

Das sorgte auch in Marokko für harsche öffentliche Kritik an dem Minister für Menschenrechte. So haben unter anderem der marokkanische Menschenrechtsverband und der Verband zum Kampf gegen Aids Premierminister Saad Eddine El Othmani eine Petition zukommen lassen, in der Ramids Aussagen verurteilt werden, weil sie „Homophobie stärken“.

„Wir sind der Meinung, dass das Bezeichnen marokkanischer und anderer Bürger als ‚Schmutz‘ eine eklatante Verletzung der marokkanischen Verfassung ist, die in ihrer Präambel das Bekenntnis des marokkanischen Staats zu Menschenrechten festschreibt, die international anerkannt sind“, heißt es dort.

Ramid rechtfertigt sich: Es ging um Homosexualität – nicht um Homosexuelle

Gestern rechtfertigte Mustafa Ramid in einem ausführlichen Facebook-Posting seinen Kommentar damit, dass seine Bemerkungen gegen Homosexualität gerichtet wären, nicht gegen Homosexuelle. „Wenn ich Homosexualität als Schmutz bezeichnet habe, habe ich damit Homosexualität per se gemeint, und nicht die Menschen, die sich damit idenifizieren“, so der Minister.

Ramid argumentierte außerdem, dass Homosexualität in Marokko illegal sei und seine Bemerkungen nicht nach den Standards von Politikern in „Europa“ beurteilt werden sollten. Er betonte außerdem, dass es „die marokkanische Regierung kategorisch ablehnt, Homosexualität zu entkriminalisieren“ – und paradoxerweise, dass „sie gleichzeitig keine Art von Diskriminierung gegen einen Bürger akzeptiert“.

Es ist nicht das erste Mal, dass Mustafa Ramid wegen seiner homophoben Ansichten in die Kritik gerät. Im Jahr 2015 sagte er als Justizminister in einem Radiointerview, dass Homosexuelle ihr Geschlecht ändern lassen sollten, wenn sie sich ans Gesetz halten wollen.