[Video] Tschetschenien: Beliebter Sänger offenbar vom Regime ermordet, weil er schwul war

Zelimkhan Bakayev wurde seit zwei Monaten nicht mehr gesehen - zehn Stunden nach seiner Ankunft in Grosny soll er tot gewesen sein

Zelimkhan Bakayev
Zelimkhan Bakayev/Twitter

Ein in der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien beliebter Sänger soll im Zuge der „Säuberungen“ gegen schwule und bisexuelle Männer in Tschetschenien umgebracht worden sein. Das berichten internationale Medien.

Seit 8. August wurde Zelimkhan Bakayev nicht mehr gesehen

So wurde der 26-jährige Zelimkhan Bakayev das letzte Mal am 8. August in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny gesehen. Er kam aus Moskau, wo seine Schwester geheiratet hatte. Seine Familie berichtet, sie habe seitdem nichts mehr von ihm gehört und wisse nicht, wo er sich aufhalte.

Zelimkhan Bakayev und Ramsan Kadyrow
Zelimkhan Bakayev/Instagram

Bakayev ist in Tschetschenien ein beliebter Sänger. Auf seinem mittlerweile gelöschten Instagram-Account gab es sogar ein Foto, das ihn gemeinsam mit Präsident Ramsan Kadyrow zeigt.

Letzten Montag berichtete Igor Kochetkov, Gründer des russischen LGBT-Network, im Rahmen einer Pressekonferenz, was seines Informationen nach mit Bakayev geschehen ist. „Ende August haben wir eine Bestätigung für unsere früheren Vermutungen erhalten, dass Bakayev von den tschetschenischen Behörden unter dem Verdacht der Homosexualität verschleppt worden ist“, sagte er.

„Innerhalb von drei Stunden nach seiner Ankunft wurde er mitgenommen, innerhalb von zehn Stunden ermordet“

Die Entführung des 26-Jährigen sei Zeichen einer neuen Verfolgungswelle gegen schwule und bisexuelle Männer in der russischen Kaukasusrepublik. Diesmal würden die tschetschenischen Behörden einen Schwerpunkt auf Männer aus der Unterhaltungsindustrie legen, so Kochetkov. Erste Indizien dafür gibt es seit September.

Nach Informationen der US-Webseite NewNowNext wurde Bakayev dann zu Tode gefoltert: „Er ist in Grosny angekommen und wurde von der Polizei innerhalb von drei Stunden mitgenommen“, so die anonyme Quelle. „Innerhalb von zehn Stunden wurde er ermordet.“

Die tschetschenischen Behörden behaupten, Zelimkhan Bakayev habe das Land verlassen

Maxim Eristavi, LGBT-Aktivist und einzig offen schwuler Journalist der Ukraine, behauptete auf Twitter, Bakayev hatte Angst davor, seine Familie in Tschetschenien zu besuchen. Die tschetschenischen Behörden bestreiten jeden Zusammenhang mit dem Verschwinden von Zelimkhan Bakayev.

Sie behaupten, der junge Sänger habe das Land verlassen. Das staatliche Fernsehen behauptete, er habe seiner Mutter und seiner Tante im September über WhatsApp eine Nachricht geschrieben, dass es ihm gut gehe und er im Ausland sei. Danach war das Telefon nicht mehr zu erreichen.

Ein offenbar gefälschtes Video soll den Eindruck erwecken, dass der Sänger noch lebt

Wie der von der US-Regierung finanzierte Sender Radio Free Europe berichtet, kursiert in tschetschenischen Medien ein Video, das Bakayev im letzten Monat auf YouTube gestellt haben soll. Der Mann behauptet, der Sänger zu sein und sich in Deutschland aufzuhalten. „Hier sind die Menschen viel freundlicher“, sagt der junge Mann in dem Video.

Allerdings halten russische LGBT-Aktivisten das Video für eine Fälschung: So stammen die Möbel in dem Video aus Russland, und ein russischer Energy-Drink, der zu sehen ist, ist in Deutschland nicht erhältlich.

Seit Anfang April werden schwule und bisexuelle Männer in Tschetschenien gezielt verschleppt

Anfang April wurde erstmals über die gezielte Verschleppung und Folter schwuler Männer in der Kaukasus-Republik Tschetschenien berichtet. Informationen des russischen LGBT-Network zufolge dürften seit Anfang Juni mehr als 200 mutmaßlich schwule Männer in tschetschenischen Geheimgefängnissen eingesperrt gewesen sein. Der Kopf hinter der Aktion dürfte nach Recherchen von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch Magomed Daudov, Sprecher des tschetschenischen Parlaments sein.

Eristavi glaubt übrigens nicht, dass die neue Welle der Gewalt gegen schwule Männer in Tschetschenien ohne Billigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin geschehen kann. „Ein Anruf Putins kann die Gewalt beenden, wie wir im Frühling gesehen haben“, erinnert der Journalist im September im Gespräch mit der Bild-Zeitung.