Nach Vorwürfen gegen Spacey: Netflix stoppt House of Cards

Netflix sei „zutiefst erschüttert über die Nachrichten bezüglich Kevin Spacey“, heißt es in einer Stellungnahme

Kevin Spacey als Frank Underwood
Netflix

Nach sechs Staffeln ist Schluss: Der Streaming-Dienst Netflix hat heute bekannt gegeben, dass die bereits abgedrehten Folgen der Serie House of Cards auch die letzten sein werden. Die Plattform streitet jeden Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen gegen Hauptdarsteller Kevin Spacey ab.

Entscheidung, die Serie nicht mehr fortzusetzen, fiel schon im Sommer, sagt Netflix.

Man habe bereits im Sommer beschlossen, die Serie nicht mehr fortzusetzen, heißt es bei Netflix. Die nächste und letzte Staffel von House of Cards wird derzeit in Baltimore gedreht. Die Folgen sollen nächstes Jahr planmäßig bei dem Streaming-Dienst veröffentlicht werden.

Das Aus für die Serie kommt nur einen Tag, nachdem der offen schwule Schauspieler Anthony Rapp Vorwürfe gegen Spacey vorgebracht hat, dieser habe ihn als 14-Jährigen sexuell belästigt.

Spacey soll Rapp als 14-Jährigen nach einer Party bedrängt haben

Gegenüber dem Online-Portal Buzzfeed sagte Rapp, Spacey habe ihn nach einer Party in seinem Apartment in New York sexuell bedrängt. Er habe noch immer einen flauen Magen, wenn er den House-of-Cards-Darsteller sehe. „Meiner Erinnerung nach dachte ich, ‚Oh, alle sind gegangen, dann sollte ich wahrscheinlich auch nach Hause‘“, erinnert sich Rapp.

Doch Spacey stand in der Tür. „Als er in den Raum kam, hatte ich den Eindruck, dass er betrunken war.“ Anschließend nahm er den Burschen „wie ein Bräutigam die Braut nimmt und über die Türschwelle trägt. Aber ich habe mich zuerst nicht gewehrt, weil ich mir gedacht habe ‚Was passiert jetzt?‘ Und dann ist er auf mir gelegen. Er hat versucht, mich zu verführen.“ Da er auf die Avancen nicht einging, hörte Spacey dann auf.

Ehemaliger Showrunner von House of Cards nennt die Vorwürfe gegen Spacey „verstörend“

Dass das Ende von House of Cards mit diesen Vorwürfen gar nichts zu tun hat, darf bezweifelt werden – zu auffällig ist das Timing. In einer gemeinsamen Stellungnahme zeigten sich Media Rights Capital als auführendes Studio und Netflix „zutiefst erschüttert über die Nachrichten der letzten Nacht bezüglich Kevin Spacey“. Als Reaktion seien Verantwortliche der Firmen am Drehort in Baltimore eingetroffen, „um sich mit unseren Schauspielern und der Crew zu treffen und um sicherzustellen, dass sie sich weiterhin sicher und unterstützt fühlen. Wie zuvor geplant arbeitet Kevin Spacey zur Zeit nicht am Set.“

Der frühere Showrunner von House of Cards, Beau Willimon, nannte mittlerweile die Vorwürfe gegen Spacey in einem Interview „verstörend“. Er habe keinerlei unangemessenes Verhalten von Spacey während der Dreharbeiten beobachtet, betonte er. Dennoch nehme er entsprechende Berichte ernst. „Ich fühle mit Herrn Rapp und ich unterstütze seinen Mut.“