Coming Out nach Belästigungs-Vorwürfen: Kritik an Kevin Spacey

„Du kannst dich nicht hinter dem Regenbogen verstecken!“, twittert US-Schauspielerin Wanda Sykes

Kevin Spacey
Richardc39/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Heftige Kritik an US-Schauspieler Kevin Spacey kommt auch von anderen Hollywood-Größen. Der Schauspieler Anthony Rapp warf Spacey ihn einem Interview mit dem Online-Portal Buzzfeed vor, ihn als 14-Jährigen nach einer Party in seiner Wohnung in New York sexuell bedrängt zu haben.

Spacey antwortete auf Twitter, er könne sich nicht mehr daran erinnern. Falls die Vorwürfe stimmen würden, entschuldige er sich aber „für ein in diesem Fall zutiefst unangemessenes betrunkenes Verhalten“. Gleichzeitig outete sich Kevin Spacey zum ersten Mal öffentlich als schwul.

Zachary Quinto kritisiert Kevin Spaceys Outing als „kalkulierte Manipulation“, um von Vorwürfen abzulenken

Es sei „zutiefst traurig und beunruhigend, dass dies die Art ist, mit der Kevin Spacey entschieden hat, sich zu outen“, ärgert sich nun der offen schwule Schauspieler Zachary Quinto: „Nicht indem er als Ausdruck von Stolz Farbe bekennt und – angesichts seiner vielen Preise und Errungenschaften – zehntausende von mit sich kämpfenden LGBTQ-Kids auf der ganzen Welt inspiriert. Sondern als kalkulierte Manipulation, um die Aufmerksamkeit von der schwerwiegenden Beschuldigung abzulenken, dass er versuchte, eines der Kinder zu belästigen“, so Quinto auf Twitter.

Es tue ihm leid, „von Anthony Rapps Erfahrung und dem daraus folgenden Leid zu hören. Und es tut mir leid, dass Kevin es für angemessen hielt, seine Wahrheit erst zuzugeben, als er dachte, dass es ihm dienen könnte – so wie seine Leugnung ihm so viele Jahre gedient hat“, so der Schauspieler, der sich 2011 geoutet hat. Denn im Jahr 2010 hat Spacey gegenüber einem Journalisten noch dementiert, schwul zu sein. „Ich lebe keine Lüge“, sagte er damals.

Spacey fand als Erster „einen schlachten Zeitpunkt, sich zu outen“

Und Quinto ist nicht der einzige Kollege, der Spacey dafür kritisiert, dass er sein Coming Out mit der Antwort auf die Missbrauchsvorwürfe verknüpft. „Nein, Nein, Nein, Nein, Nein! Du kannst dich nicht hinter dem Regenbogen verstecken!“, twitterte beispielsweise die US-offen lesbische Schauspielerin Wanda Sykes.

Und der schwule Komiker Billy Eichner meinte, Spacey habe gerade etwas erfunden, dass es vorher nie gab: Einen schlechten Zeitpunkt, um sich zu outen. Später ergänzte er: „Aber ehrlich gesagt zögere ich, Witze darüber zu machen, denn das Statement von Spacey ist wirklich ekelhaft, unverantwortlich und gefährlich.“

Auch das Sänger Lance Bass, der sich 2006 outete, ist wütend auf Spacey: „Schwul zu sein sollte nicht gleichgestellt werden mit sexuellem Missbrauch und Pädophilie. Danke, dass du den homophoben Menschen noch mehr Munition gibst.“

Projekte mit Kevin Spacey stehen auf dem Prüfstand, kein Ehren-Emmy für den Schauspieler

Außerdem hat die International Academy of Television Arts & Sciences über ihre Social-Media-Kanäle bekanntgegeben, „dass sie im Lichte der jüngsten Entwicklungen Kevin Spacey nicht mit dem 2017er Emmy Founders Award auszeichnen wird“. Der Preis hätte am 20. November in New York verliehen werden sollen.

Unklar ist, wie es mit den Projekten weitergeht, in die Spacey involviert ist. Erfolgsserie House of Cards werde nach der 6. Staffel, die gerade gedreht wird, nicht mehr fortgesetzt, heißt es bei Netflix – diese Entscheidung sei aber schon im Sommer getroffen worden. In wenigen Tagen steht die US-Premiere des Films  „All the Money in the World“ an, bei der Spacey eine der Hauptrollen spielt. Im Jahr 2018 soll der Film „Billionaire Boys Club“ mit Spacey erscheinen. Netflix selbst hatte den umstrittenen Schauspieler außerdem im Sommer für eine Verfilmung des Lebens von Gore Vidal verpflichtet.