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Dunkle Zeiten für Pornostars und die Fetisch-Community auf Twitter

Neue Nutzungsbedingungen erlauben nur mehr jugendfreies Material - und der Versuch, das auch durchzusetzen, ging offenbar schief

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Wer bis jetzt über das soziale Netzwerk Twitter über das Leben seiner Lieblings-Pornostars auf dem Laufenden geblieben ist, könnte bald enttäuscht werden: Denn mit seinen neuen Nutzungsbedingungen will Twitter verstärkt gegen Pornografie auf seiner Plattform vorgehen – was in einem ersten Versuch aber deutlich nebengegangen ist.

So sehen die neuen Nutzungsbedingungen von Twitter vor, dass nicht-jugendfreie Inhalte künftig auf dem Kurznachrichtendienst verboten sind. Nicht nur für viele schwule Pornostars ist das ein herber Rückschlag: Denn im Gegensatz zu Facebook konnten sie hier eindeutiges Material posten und sich eine Fangemeinde ausbauen. Auch in Teilen der Fetischcommunity ist Twitter eine der beliebtesten Plattformen zur Kommunikation – eben, weil Inhalte nicht so schnell gesperrt werden wie beispielsweise auf Facebook.

Statt nur sensible Inhalte zu verbergen, zensiert Twitter in der Suche alle sexuellen Minderheiten

Allerdings ist der erste Versuch, diese Nutzungsbedingungen auch in die Praxis umzusetzen, deutlich schiefgegangen. So hat der Filter ab Sonntag alle Suchanfragen nach den Begriffen „gay“, „lesbian“, „bisexual“ und „transgender“ geblockt. Es gebe dazu keine Resultate, stand bei entsprechenden Suchen auf dem Schirm – und zwar unabhängig von den eigenen Einstellungen oder der gewählten Sprache.

Das kann aufgehoben werden, wenn das Häkchen „Sensible Inhalte ausblenden“ in den Sucheinstellungen entfernt wird – was im Umkehrschluss bedeutet, dass der neu eingeführte Suchfilter alle Beiträge, die mit den entsprechenden Begriffen getaggt werden, offenbar als sensiblen Inhalt einstuft.

Einstellung in der Suche sei ein „technischer Fehler“, meint Twitter

Twitter hat mittlerweile mitgeteilt, dass es sich dabei um einen „technischen Fehler“ handle: Die Suche nach bestimmten Begriffen, die mir Sexualität zu tun hätten, würde „nicht die kompletten Ergebnisse“ zeigen, so Twitter. User vermuten, dass beim Versuch, die neuen Nutzungsbedingungen zu implementieren, nicht nur pornografische Inhalte blockiert wurden, sondern alle LGBT-Themen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es allerdings nicht.

Künftig soll, so Twitter, „sensibles Material“ wie bestimmte Bilder oder Videos in den Suchergebnissen nicht mehr direkt angezeigt werden, sondern nur als Link. Mittlerweile bringen die Suchen nach Begriffen wie „gay“, „lesbian“ und „transgender“ auf Twitter wieder entsprechende Ergebnisse – die Suche nach „bisexual“ bleibt aber vorerst weiter ohne Ergebnis.

Bisexuelle sind von der Such-Zensur bei Twitter noch immer betroffen

Das verärgert die Community: „Jeder Bi-Aktivist kennt die Probleme, wenn man im Internet nach Bi-Inhalten sucht – einige öffentliche W-LAN-Systeme blockieren alles, auch wenn es mit Sex nichts zu tun hat, weil bisexuell selbst als zwielichtiges Wort gesehen wird“, erklärte Bi-Aktivistin Kate Harrad der BBC.

Eine Stellungnahme von Twitter zu diesem Thema steht noch aus. Inzwischen kann auf dem Kurznachrichtendienst auch weiter pornografisches Material abgerufen werden. Das Soziale Netzwerk scheint also Probleme zu haben, seine eigenen Nutzungsbedingungen umzusetzen.

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