Erste „Stolpersteine“ für schwule Nazi-Opfer in München

Gedenken an die Vergangenheit und Mahnung an die Zukunft

München
Nagy/Presseamt München

In München sind zum ersten Mal „rosa Stolpersteine“ verlegt worden, die an von den Nazis umgebrachte schwule Männer erinnern sollen. Vor der Pestalozzistraße 36 im Glockenbachviertel, noch heute das Zentrum der schwulen Szene Münchens, wird nun Otto Karl Weis gedacht, vor der Baumstraße 4, nur wenige hundert Meter davon entfernt, Georg Fischler. Beide wurden wegen ihrer sexuellen Orientierung von den Nazis entrechtet, verfolgt und ermordet.

Die Geschichte der beiden Opfer mahnt zur Wachsamkeit

Weis wurde am 24. September 1877 geboren, er war katholisch getauft, arbeitete als Tiefbautechniker und wohnte zuletzt an der Pestalozzistraße in der Isarvorstadt. Wegen seiner Homosexualität wurde er mehrmals ins Konzentrationslager Dachau verschleppt. Am 15. Juli 1941 brachten ihn die Nationalsozialisten in die Tötungsanstalt Schloss Sonnenstein bei Pirna. Dort wurde er wohl noch am selben Tag ermordet.

Georg Fischler wurde bei einer Würdigung im zuständigen Bezirksausschuss gedacht. Er wurde 34 Jahre alt, acht Jahre davon verbrachte er im Zuchthaus. Dabei wurde auch erwähnt, wie schwierig und selten ein Coming Out damals war. Der Bezirksausschuss betonte bei dieser Gelegenheit, dass gruppenbezogene Feindlichkeit keine Zukunft im Stadtviertel habe und nie haben dürfe.

In München werden die Stolpersteine nicht auf offener Straße verlegt

Der Kölner Künstler Gunter Demnig, Schöpfer der Stolpersteine und Terry Swartzberg, der Vorsitzende der Initiative Stolpersteine für München, verlegten die quadratischen Messingtafeln im Beisein von Angehörigen, Hausbesitzern und Prominenten auf Privatgrund vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer.

Im Gegensatz zu anderen Städten werden die Stolpersteine in München nicht auf der Straße eingelassen. Besonders die Israelitische Kultusgemeinde ist strikt dagegen, weil damit das Gedenken an die Toten gewissermaßen mit Füßen getreten würde. Statt Stolpersteinen gibt es deshalb Stelen oder Wandtafeln.

Neben den „rosa Stolpersteinen“ für schwule Opfer des Nationalsozialismus wurden auch vier weitere verlegt: In der Landwehrstraße 20, nahe dem Durchgang zum Deutschen Theater, wurde ein Stolperstein für Nathan Schütz präsentiert. In der Augustenstraße 98 wurden die charakteristischen Messingtafeln zum Gedenken für die Kommunisten Wilhelm Olschewski, Willy Olschewski und Otto Binder eingeweiht.