30 Jahre nach der Tat: Lebenslange Haft für Mord an schwulem Pensionisten

Der Angeklagte soll damals als Stricher in München gearbeitet haben - was dieser heftig bestreitet

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Mehr als 30 Jahre nach der Tat wurde in München heute Vormittag ein 56-jähriger Serbe wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte als Stricher gearbeitet und einen seiner Kunden, den 80-jährigen Franz S., erschlagen und ausgeraubt.

Das Gericht folgte der Anklage, dass sich der damals 26-jährige Bozidar S. am Münchner Hauptbahnhof aufgehalten hat, um sich zu prostituieren. Am 16. Jänner 1986 sei er dann mit dem Mann in dessen Wohnung im Bezirk Au-Haidhausen mitgegangen.

Statt den erhofften Dienstleistungen wurde dem wehrlosen 80-Jährigen der Schädel eingeschlagen

Doch anstatt die erwarteten sexuelle Dienstleistungen zu erbringen, habe er den 80-Jährigen mit einem Aschenbecher und einem Parfumflakon den Schädel eingeschlagen und anschließend die Wohnung in aller Ruhe durchsucht. Gestohlen habe er letztendlich die Geldbörse und einen Schlüssel, so die Staatsanwalt.

Der Obduktion zufolge starb Franz S. nach einem qualvollen stundenlangen Todeskampf. Demnach wurden durch die Schläge sein Nasenbein und Teile des Schädels zertrümmert. Fast dreieinhalb Stunden nach der Tat erstickte der Pensionist an seinem eigenen Blut. Die Polizei fand ihn später mit eingeschlagenem Schädel halbnackt im Bett.

Ein Abgleich der Altfälle zeigte: Der mutmaßliche Täter hielt sich in Wien auf

Der Mordfall blieb lange ungelöst. Bei einer Überprüfung von Altfällen wurden die Fingerabdrücke nochmals mit einer internationalen Datenbank abgeglichen. Da landeten die Ermittler einen Treffer: In Slowenien waren die Daten von Bozidar S. gespeichert, gegen den Mann wurde ein Europäischer Haftbefehl ausgestellt.

Im letzten Oktober klickten für den Serben in Wien die Handschellen: Denn obwohl gegen ihn ein Einreise- und Aufenthaltsverbot vorlag, hielt er sich in Österreich auf – was dazu führte, dass er von der Wiener Polizei festgenommen wurde. Diese informierte daraufhin ihre Kollegen in Bayern.

Der Angeklagte bestreitet, jemals als Stricher gearbeitet zu haben

Der Angeklagte bestritt den Tathergang bis zuletzt. Er habe nie als Stricher gearbeitet, sondern nur einen Schlafplatz gesucht betonte er vor Gericht. In dem 80-Jährigen habe er einen freundlichen älteren Herren gesehen, der ihn aus Großzügigkeit in seine Wohnung eingeladen habe.

Er habe den Pensionisten attackiert, weil dieser „plötzlich“ Sex von ihm verlangt habe. Eigentlich wollte er damals aus der Wohnung fliehen, doch Franz S. habe die Türen verschlossen. „Die Sache war ekelhaft. Ich kam mir vor wie ein eingesperrtes Tier“, so der heute 56-Jährige.

Gegenüber einer Psychologin machte er das Opfer deshalb mitverantwortlich – „weil es mich nicht aufgeklärt hat, dass es um Sex geht. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht mitgegangen“, beteuert der Serbe.

„Ich hasse Schwule“, sagte Bozidar S. einem Gutachter

Einem Gutachter sagte Bozidar S., er habe selbst nie homosexuelle Kontakte gehabt, und betonte: „Ich hasse Drogenabhängige, Schwule und Terroristen.“ Der Verteidiger plädierte deshalb auf Körperverletzung mit Todesfolge – womit die Tat bereits verjährt gewesen wäre.

Doch für die Staatsanwaltschaft handelte es sich klar um Mord: Die beiden Mordmerkmale Habgier und Ermöglichung einer anderen Straftat wären bei der Tat gegeben gewesen. Das Gericht folgte dieser Einschätzung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.