Tschetschenischer Präsident Kadyrow kündigt Rücktritt an

Aufmerksamkeit nach Schwulenverfolgung: Will Putin den Tschetschenen vor den Präsidentenwahlen loswerden?

Ramsan Kadyrow
HBO

Der tschetschenische Staatschef Ramzan Kadyrow könnte schon bald zurücktreten. Entsprechende Andeutungen hat er im russischen Staatsfernsehen gemacht. Zuletzt war der 41-Jährige in der internationalen Kritik, weil schwule Männer in Tschetschenien systematisch verschleppt und gefoltert wurden.

Kadyrow sagt, die Zeit für einen Rücktritt sei gekommen – offenbar nach Druck aus Moskau

Offenbar will Präsident Wladimir Putin deshalb Kadyrow aus dem Blick der Öffentlichkeit verbannen, bevor er sich im März wieder wählen lässt. Auf die Frage, ob er bereit wäre, zurückzutreten, sagte Kadyrow in einem Interview mit dem staatlichen Kanal Rossiya 1: „Man kann sagen, das wäre mein Traum.“

„Es gab einmal eine Zeit, in der Kämpfer wie ich gebraucht wurden, um Dinge in Ordnung zu bringen. Jetzt haben wir Ordnung und Wohlstand – und die Zeit für Veränderungen in der tschetschenischen Republik ist gekommen“, ergänzt er in dem Gespräch, das heute in weiten Teilen Russlands zu sehen war.

Auf die Frage nach seiner Nachfolge erklärte Kadyrow: „Das ist ein Vorrecht der Staatsführung.“ Würde er gefragt werden, fielen ihm einige Leute ein, die „zu 100 Prozent in der Lage sind, diese Aufgabe auf dem höchsten Niveau zu erfüllen“. Namen wollte der Vater von zwölf Kinder allerdings keine nennen.

Will Wladimir Putin vor der Präsidentschaftswahl sein Image aufpolieren?

Die Ankündigung von Ramzan Kaydrow, als Präsident von Tschetschenien zurückzutreten, kommt überraschend. Erst letzten März hat ihm der russische Präsident Wladimir Putin bestärkt, auch weiter Tschetschenien zu regieren. Gleichzeitig erinnerte er aber auch daran, dass russisches Recht in der mehrheitlich muslimischen Teilrepublik unbedingt befolgt werden müsse. In den letzten Jahren galt Kadyrow für Russland als immer schwerer kontrollierbar.

Beobachter vermuten, dass sich Putin vor den Präsidentschaftswahlen im März von Problemfällen in seiner Umgebung lösen will. Damit könnte er verhindern, von der Opposition mit Politikern wie Kadyrow in Verbindung gebracht zu werden. Dem russischen Präsident schwört der Tschetschene in dem Fernsehinterview weiterhin die Treue. Er sei sein „Idol“: „Ich bin bereit, für ihn zu sterben, um jeden Befehl zu befolgen.“

Bis heute bestreitet Ramsan Kadyrow, dass schwule Männer in Tschetschenien systematisch verfolgt wurden

Der frühere Islamist Kadyrow regiert Tschetschenien seit 2007. In die internationalen Schlagzeilen ist der 41-Jährige in den letzten Monaten vor allem durch die Verfolgung schwuler Männer in Tschetschenien geraten. Kadyrow selbst hat bestritten, dass seine Einheiten Jagd auf Homosexuelle machen würden – er bestritt sogar, dass es in Tschetschenien überhaupt Schwule gäbe.

Zeugenaussagen von Überlebenden zeichneten aber ein anderes Bild: Demnach wurden homosexuelle Männer systematisch verhaftet und gefoltert. Viele von ihnen überlebten diese Qualen nicht oder wurden an ihre Familien übergeben, die sie im Namen der Ehre töten sollten.